1915-03-15-DE-005
Deutsch :: de
Home: www.armenocide.net
Link: http://www.armenocide.net/armenocide/armgende.nsf/$$AllDocs/1915-03-15-DE-005
Quelle: DE/PA-AA/R 19964
Zentraljournal: 1915-A-9440
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 03/15/1915 04:00 PM
Telegramm-Ankunft: 03/15/1915 06:12 PM
Praesentatsdatum: 03/15/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 640
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 640.

Pera, den 15. März 1915

Unter Bezugnahme auf Telegramm Nr. 481 vom 27. Februar.

Die Pforte hat beschlossen im Falle eines Dardanellen Durchbruchs die gesamte Regierung inklusive Talaat Bey und Enver Pascha nach Kleinasien übersiedeln zu lassen. Auf der europäischen Seite wird Liman von Sanders das Oberkommando führen, als politischer Berater soll ihm der Polizeipräsident Bedri Bey beigegeben werden. Der Großwesir sagte mir, er lege nach den veränderten Dispositionen den größten Wert darauf, daß der deutsche und österreichische Botschafter der Regierung nach Kleinasien folgen. Dem Sultan und den Anatoliern müsse vor Augen geführt werden, daß Deutschland und Österreich an der Türkei festhalten. Da die Beschlüsse der Pforte sich wiederum ändern könnten, erbitte ich die Ermächtigung eintretenden Falls nach der augenblicklichen Lage handeln zu dürfen. Gleichzeitig darf ich indessen darauf aufmerksam machen, daß im Falle einer Übersiedelung nach Kleinasien auf der europäischen Seite ein diplomatisch geschulter und mit den Verhältnissen vertrauter Leiter des zurückgebliebenen Teils der Botschaft fehlen würde, sobald Herr v. Kühlmann nach dem Haag abgereist ist. Ich bitte daher schon jetzt eine geeignete Persönlichkeit als Ersatz für Herrn von Kühlmann in Aussicht nehmen zu wollen. In Betracht käme eventuell der Kaiserliche Gesandte von Below.


[Wangenheim]



Copyright © 1995-2015 Wolfgang & Sigrid Gust (Ed.): www.armenocide.net A Documentation of the Armenian Genocide in World War I. All rights reserved