1916-01-06-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R 20039
Zentraljournal: 1916-A-00473
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 01/06/1916 11:30 AM
Praesentatsdatum: 01/06/1916
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Staatsekretär des Auswärtigen Amts (Jagow) an den Gesandten in Athen (Mirbach)

Telegraphischer Erlaß


Berlin, den 6. Januar 1916

Geheim.

Zu Ew. pp. persönlicher Information: Habe heute dem griechischen Gesandten behufs directer Meldung an S. M. den König (nicht an Regierung) folgendes gesagt:

Die völkerrechtswidrige Abführung unseres Consuls habe von neuem bewiesen daß Griechenland seine Souveränität in Salonik nicht allein wahren könne. Wir würden in Griechenlands eigenstem Interesse handeln, wenn wir französische u. englische Eindringlinge hinaustreiben. Ohne bulgarische Truppen ist dies leider unmöglich, da unsere Contingente in Serbien allein zu schwach sind.

Die Forderungen des Königs bzw. Generalstabs erscheinen nach gründlicher Prüfung größtenteils militärisch unerfüllbar. Wir müßten deshalb bitten, daß Griechenland das ganze Operationsgebiet von seinen Truppen räumt. Denn sonst würde stets Gefahr eines Zusammenstoßes bulgarischer u. griechischer Truppen bestehen. Flinten können losgehen ohne daß man es will. Griechenland müsse deshalb seine Truppen bis hinter die Linie Presba-San-Kateran zurückziehen. Verbleiben von Truppen östlich von Salonik sei auch unmöglich, da Landung von Ententetruppen in Cavalla und Orfani jederzeit zu erwarten und daher Ausdehnung der Operation dorthin möglich sei.

Wenn Griechenland seine Truppen zurückzieht und damit Conflict vermeidet, versprechen wir u. Bulgaren ihm volle Restitution seines Gebiets und Erstattung verursachten Schadens. Zurückziehung unserer Truppen erfolgt nach Vertreibung der Entente, sobald dies militärisch möglich. Griechenland müßte dann allerdings Garantie übernehmen, daß es neue Landung der Entente verhindert.

Unsere Mittheilung an König ist streng vertraulich u. erfolgt jetzt, damit er Zeit hat, seine Maßnahmen zu treffen. Zeitpunkt unserer eventuellen Aktion gegen Entente steht noch nicht fest, doch muß Räumung sofort beginnen um rechtzeitig durchgeführt zu sein.

Falls Epp Gelegenheit haben, König persönlich zu sehen, können Sie obiges mündlich verwerthen unter Betonung daß unser Vorschlag von vollem Wohlwollen für Griechenland getragen ist und unsere Aktion Geschäfte Griechenlands besorgt.


J[agow]



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