1917-01-03-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14095
Zentraljournal: 1917-A-00955
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 01/09/1917
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 4
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Generalkonsul in Genf (Geißler) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 4

Genf, den 3. Januar 1917

2 Anlagen.

Euerer Exzellenz beehre ich mich in der Anlage zwei im Pariser Temps vom 26. v.M. erschienene Artikel (A M. le Président Wilson und Une seconde Arménie) einzureichen,1 in denen ausgeführt wird, daß Deutschland die Schuld an den in Armenien und Syrien begangenen Greueltaten trage.

In dem ersteren Artikel beruft sich der Temps unter anderem auf zwei der Deutschen Regierung von einem deutschen Beamten, dem Oberlehrer an der deutschen Oberrealschule in Aleppo Dr. Niepage angeblich erstattete Berichte über die armenischen Metzeleien, aus denen hervorgehe, daß die Deutsche Regierung über die fraglichen Greueltaten und ihren Zweck, die Ausrottung des armenischen Volkes, genau unterrichtet gewesen und deshalb für sie verantwortlich sei. Des weiteren gründet der Temps seine Beschuldigung auf eine angebliche Äußerung des früheren Staatssekretärs von Jagow gegenüber dem französischen Botschafter Cambon (auf die sich meine Berichte Nr. 174 und 177 vom 6. und 13. August 1915 beziehen) des Inhalts, daß es das Schicksal aller kleinen Nationalitäten sei ausgerottet zu werden. Diese „Tatsachen" – so bemerkt der Temps – möge Präsident Wilson in Erwägung ziehen, der in seiner kürzlichen Note sich dahin geäußert habe, daß es die Absicht Deutschlands und seiner Verbündeten sei, die Achtung vor den kleinen Nationalitäten ebenso wie vor den großen durch den Frieden sicherzustellen.

Im zweiten Artikel erhebt der Temps den Vorwurf, daß Deutschland auch an den willkürlichen Hinrichtungen von Syriern und an der in Syrien künstlich hervorgerufenen Hungersnot die Schuld trage. Djemal Pascha selbst habe gesagt, „die Deutschen sind es, die es gewollt haben" und er sei von dem zu diesem Zweck nach Damaskus entsandten Baron Max von Oppenheim nach einer vorübergehenden Ruhepause zu neuen Metzelein angestachelt worden. Auch diese „wahrheitsgetreue" Darstellung – so bemerkt der Temps – werde der amerikanischen Regierung vorgehalten, die wohl wisse, welche Schwierigkeiten und Hindernisse man türkischerseits seit Mai vor. Js. ihrem Verlangen, Syrien mit Nahrungsmitteln versehen zu dürfen, entgegengesetzt habe. Der Temps Artikel schließt mit der theatralischen Wendung: „Allen anständigen und menschlich gesinnten Neutralen sagen wir Seht und richtet! Die gestern übergebene Note der Alliierten wird bei dieser Prüfung eine glänzende Rechtfertigung finden."


[Geißler]

1 Dok. 1916-09-10-DE-001 Anlage 3 sowie Dok. 1915-09-03-DE-002 Anlage 5.



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