1913-09-15-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R 14081
Zentraljournal: 1913-A-15752
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 09/15/1913 06:50 PM
Telegramm-Ankunft: 09/16/1913 03:10 AM
Praesentatsdatum: 09/16/1913 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 534
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Therapia, den 15. September 1913

Im Anschluß an Telegramm 515.1

Herr von Giers hatte mich für heute um eine Zusammenkunft zur Besprechung der armenischen Frage gebeten.

Es wurde folgendes Kompromiß verabredet, für welches Herr von Giers zunächst die Genehmigung seiner Regierung nachsuchen wird:

1. Rußland akzeptiert äußerstenfalls die türkische Zoneneinteilung.

2. Es wird versucht, durch freundliche Verständigung mit dem Großwesir dessen Einverständnis damit zu erreichen, daß die Generalinspekteure après une entente amicale avec les Puissances vom Sultan ernannt werden.

3. Deutschland akzeptiert gleiche Vertretung der Nationalitäten anstatt Proportionalität.

4. Einrichtung einer besonderen Kontrolle ist unnötig, da eine solche auf Grund Artikels 61 [AA: des Berliner Vertrages] ohne weiteres durch Botschaften und Konsulate ausgeübt werden kann.

5....[Gruppe unverst.] Verhandlungen mit Großwesir werden zunächst getrennt durch Herrn von Giers und mich geführt.

Falls Großwesir wegen Ernennung der Generalinspekteure nach Benehmen mit den Mächten Schwierigkeiten macht, beabsichtigen ich und Herr von Giers folgende Lösung zu probieren: Die Pforte wird die Mächte bitten, geeignete Generalgouverneure auszuwählen, vorbehalte sich aber ein Einspruchsrecht.

Da nach den Reformgesetzen die Türkei sowieso die Mächte um Generalinspekteure bitten kann und wollte, so kann sie schließlich, ohne sich etwas zu vergeben, sich statt an einzelne Mächte an die Gesamtheit derselben wenden.

Auf meine Bemerkung, daß Frankreich mit dem Projekt Mandelstam nicht einverstanden sei, erwiderte Herr von Giers: "Gerade deshalb wende ich mich an Sie."


[Wangenheim]
[Antwort Jagow 16.9. (Nr. 319)]

Einverstanden. In Frage Beamtenernennung wäre eintretendenfalls mittlere Lösung auf folgender Basis denkbar: Pforte ernennt höhere Beamten nach Anhörung, mittlere auf Vorschlag der Generalinspekteure, untere Beamte werden von Generalinspekteuren ernannt.


1 Dok 1913-09-08-DE-001



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