1915-02-23-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R 20178
Zentraljournal: 1915-A-6866
Erste Internetveröffentlichung: 2012 April
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1911.01-1915.05
Telegramm-Abgang: 02/23/1915 04:30 PM
Telegramm-Ankunft: 02/23/1915 08:33 PM
Praesentatsdatum: 02/23/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 202
Zustand: A
Letzte Änderung: 06/17/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 202.

Athen, den 23. Februar 1915

Bei erster Privataudienz erklärte sich Seine Majestät der König grundsätzlich für Fortführung neutraler Politik, gab insbesondere zu verstehen, daß er in dieser Frage auf weitaus positiverer Grundlage stehe als sein Ministerpräsident. Gelegentlich flossen allerdings Bemerkungen ein „er sei in erster Linie seinem Lande und Volke verantwortlich“ und „es dürfe ihm nicht zu schwer gemacht werden.“ Er habe bisweilen das Gefühl, als ob man bei uns für Griechenlands Aufstreben noch nicht das ganz richtige Verständnis habe und sich noch nicht recht entschließen könne, es für voll zu rechnen.

Seine Majestät beschäftigt zur Zeit - das Thema Bulgarien wurde nur flüchtig gestreift - offenbar am meisten die Frage, ob nicht aus unserem Bundesverhältnis zur Türkei für Griechenland nachteilige Folgen entstehen könnten. Der König kam erneut darauf zu sprechen, daß seine Stellung bedeutend erleichtert würde, wenn definitiver Besitz der Inseln für Griechenland in irgendwelcher Form sichergestellt werden könnte, und wir in Konstantinopel für gerechte Behandlung Griechen Kleinasiens einträten.

Bezüglich Triple-Entente stand Seine Majestät sichtlich unter dem Eindruck Sieges in Masuren, sprach ferner mit Ironie von den Besuchen der Generäle Paget und Pau, die hier umschichtig französische bezw. englische Kriegsführung kritisiert hätten. „So geht es bei Koalitionen“, meinte S.M., „ich habe ja meine besonderen Erfahrungen damit gemacht.“

Ohne jede reservatio mentalis steht Ihre Majestät die Königin auf dem Boden der neutralen Politik, sagte geradezu Höchstihre überzeugende Mitwirkung bei allen dahin gehenden Bestrebungen zu.

Herrn Venizelos, der zur Zeit mit parlamentarischen Arbeiten überhäuft, sehe ich erst morgen.


[Mirbach]



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