1914-12-30-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14085
Zentraljournal: 1915-A-00389
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 01/04/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 342
Zustand: A
Letzte Änderung: 04/22/2012


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 342
Pera, den 30. Dezember 1914

1 Anlage.

Der beifolgende Bericht über türkische Ausschreitungen gegen die armenische Bevölkerung in der Umgegend von Erzerum bestätigt die Mitteilungen, die mir hierüber vom Armenischen Patriarchen zugegangen waren, und hat mich veranlasst, die Zustände auf der Hohen Pforte zur Sprache zu bringen und dringend zu raten, für die Abstellung solcher Vorkommnisse Sorge zu tragen. Allerdings meinte der Grosswesier, dass diese Vorfälle nicht ganz ohne armenische Provokation entstanden seien; als Beleg hierfür führte er an, dass die Armenier in dem Kriege offen gegen die türkische Sache Partei nehmen, und erwähnte u.a., dass die bulgarischen Armenier Russland eine Freiwilligentruppe zur Verfügung gestellt hätten.


Wangenheim

Anlage

Erserum, den 5. XII. 1914.

betrifft: Ausschreitungen gegen Armenier im Bezirke Erserum.

Die armenische Bevoelkerung des Vilayets Erserum, insbesondere die Landbevoelkerung, ist durch einige Vorgaenge sehr beunruhigt, die von ihr als Vorboten neuer Massakres aufgefasst werden.

In dem Dorfe Osni der Erserumer Hochebene haben am 1. d.M. drei tuerkische Freischaerler (Irregulaere) einen bei den Armeniern sehr angesehenen Priester besucht, bei demselben gegessen und geschlafen und ihn am naechsten Morgen gezwungen, sie bis an das Ende des Dorfes zu begleiten, wo sie ihn durch Flintenschuesse toeteten.

In dem Dorfe Tewnik, ebenfalls in der Erserumer Hochebene, hat eine Gruppe von 12 Freischaerlern saemtliche Maenner des Dorfes herausgetrieben, gefesselt und ein Loesegeld von 100 tuerkischen Pfund gefordert. Diese Summe konnte von dem Dorfe nicht aufgetrieben werden. Die Maenner blieben gefangen. Einige Frauen dieses Dorfes sind weinend zum armenischen Bischof nach Erserum gekommen und haben um Hilfe gebeten.

Auch von anderen Doerfern kommen aehnliche Berichte.

Der armenische Bischof von Erserum hat sich an den Wali gewendet, der die Saeuberung der Erserumer Ebene von den Freischaerlern versprach.

Diese Mitteilungen stammen von angesehener armenischer Seite.

Die armenische Bevoelkerung behauptet, dass es sich um eine von der tuerkischen Partei "Ittihad" angezettelte Bewegung handle.

Tatsache ist, dass die tuerkischen Offiziere auf die Armenier nicht gut zu sprechen sind und ihnen vorwerfen, sie waeren russenfreundlich und haetten das Eindringen russischer Truppen in tuerkisches Gebiet erleichtert. Auch bei der tuerkischen Bevoelkerung scheint, wie aus mancherlei Symptomen zu ersehen, der alte Hass gegen die Armenier neu aufzulodern.

Von den mir gemeldeten Vorfaellen habe ich dem Kommandanten der Festung Erserum, General Posseldt, Mitglied der deutschen Militaermission, Mitteilung gemacht.


Schwarz


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