1916-06-09-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 20076
Zentraljournal: 1916-A-15534
Erste Internetveröffentlichung: 2017 Juni
Edition: Die deutsche Orient-Politik 1915.06-1916.12
Telegramm-Abgang: 06/09/1916 01:10 AM
Telegramm-Ankunft: 06/12/1916 08:20 AM
Praesentatsdatum: 06/12/1916 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 354
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Gesandte in Athen (Mirbach) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Athen, den 9. Juni 1916

Für Chef des Generalstabes Feldheeres.

Im Anschluß an Telegramm Nr. 350 und Vorgänge:

Königliches Dekret vom 8. Juni abends bestimmt unbegrenzte Beurlaubung, also eigentlich Entlassung, Jahrgangs 1892 bis 1803 einschließlich. Beurlaubungen eines Teils der übrigen Klassen werden vom Kriegsminister geregelt.

Nach Mitteilung von Metaxa soll Demobilmachung durch Beurlaubung soweit durchgeführt werden, daß nur noch rund 100000 Mann dauernd unter Fahne bleiben.

Stellung der Entente zur Maßregel noch nicht klar, da bei Nervosität und Kopflosigkeit der Entente jede Voraussicht ausgeschlossen. Entente selbst wünschte teilweise Demobilmachung aus Furcht, daß griechische Armee den Saloniker Truppen in Rücken fallen könnte und weil sie Stärkung der Stellung Venizelos durch Demobilmachung erhoffte, andererseits wünschte Entente Aufrechterhaltung Mobilisierung, weil sie immer noch auf Rückkehr Venizelos hoffte und dann griechische Armee kampfbereit sein sollte.

Entente kann natürlich Durchführung Demobilmachung Schwierigkeiten bereiten, besonders für Truppen in Ostmazedonien, da wegen Blockade Seetransport nicht möglich. Von Abschwächung der Blockade, die Zeitungen melden, bisher nichts bekannt.

Entschluß zur Demobilmachung wurde von Regierung und König selbständig gefaßt, um den aus meinen früheren Telegrammen bekannten Drohungen der Entente vorzukommen und offen zu zeigen, daß König und Regierung keinen Krieg wollen.

Nachricht wurde von Kammer und Volk mit großer Freude begrüßt.

Metaxa betonte besonders, daß Tatsache der Demobilmachung Bulgarien den letzten Rest von Mißtrauen betreffend Absichten Griechenlands nehmen muß.

Es ist zu hoffen, daß nun auch die bulgarischen Unterführer es als Ehrenpflicht betrachten, jeden Zwischenfall gegen das demobilisierte Griechenland zu vermeiden, um griechischen König und Regierung nicht unnötige Schwierigkeiten zu machen.

Sofia Constantinopel benachrichtigt.

Militär-Attaché Athen.


[Mirbach]



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