Vorwort

In unserem Portal armenocide brachten wir bislang nur Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amts zum Völkermord an den Armeniern 1915/16. Wir wollen diese Dokumentation um Themen erweitern, die zur Vorgeschichte des Genozids gehören, Teilaspekte darstellen oder Folgen des Völkermords. Auch wollen wir nichtstaatliche Dokumente hinzunehmen, obgleich auf absehbare Zeit Dokumente des deutschen Auswärtigen Amts das Gros der Akten ausmachen werden.

Jede neue Edition führen wir mit einer Einleitung ein, die auch den Charakter eines Artikels haben kann, sich aber von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur auf die in diesem Portal publizierten Akten stützt.

Eine Dokumentation im Internet hat - im Gegensatz zu einem Sachbuch - den Vorteil, dass problemlos Schriftstücke hinzugefügt werden können. Dies wollen wir nutzen und von Zeit zu Zeit neue Schriftstücke zu einem bereits bestehenden Thema hinzufügen. Jedes Dokument hat im Kopf eine Angabe zur Erstveröffentlichung, aus der leicht zu entnehmen ist, wann es in die jeweilige Edition aufgenommen worden ist. Auch bei Änderungen an bereits bestehenden Dokumenten, beispielsweise um Fehler zu korrigieren, ist stets angegeben, wann das Dokument zuletzt verändert worden ist. Wenn diese Veränderungen umfangreicher sind, beispielsweise Anlagen hinzukommen, ändern wir die Angabe „Zustand“, die stets mit „a“ beginnt, in einen höheren Buchstaben des Alphabets.

Interessenten, die eine eigene - auch kleinere - Edition zum Thema Völkermord an den Armeniern zusammengestellt haben, bieten wir den Platz in armenocide, unter ihrem Namen und copyright, aber nach unseren möglichst hoher Objektivität verpflichtenden Kriterien ihre Arbeiten zu veröffentlichen. Allerdings müssen die Dokumente nachprüfbar und sachdienlich sein. Wie in unseren bisherigen Dokumentationen nachzuprüfen ist, bemühen wir uns bei der Auswahl der Dokumente darum, alle wichtigen Aspekte zu berücksichtigen. Eine Dokumentation mit einer tendenziellen und politischen Zielvorgabe werden wir ablehnen. Es gibt zur Zeit eine heftige Auseinandersetzung über die Anerkennung oder Nichtanerkennung des Völkermords, die logischerweise rein politischer Natur sein muß und uns damit wenig tangiert. Die ernsthafte und wissenschaftliche Literatur der letzten zwanzig Jahre über den Völkermord läßt keinen Zweifel mehr zu, daß es sich um einen Genozid gehandelt hat. An einer Leugnungs-Kampagne, wie sie im Internet leider sehr häufig ist, werden wir uns in keiner Form beteiligen.

Wir sind ein deutsches Portal, bekommen aber von keiner deutschen staatlichen oder halbstaatlichen oder auch privaten Institution auch nur einen Cent Zuschuß. Die Hilfe, die uns gelegentlich zukommt, hat nie die inhaltliche Auswahl der Dokumente oder den Trend der Berichterstattung tangiert und wird das auch in Zukunft nicht tun, weil wir es nicht zulassen werden. Diese Hilfe kommt im Wesentlichen vom kanadischen Zoryan-Institut und ihrem sehr hilfsbereiten Executive Director George Shirinian. Sie bestand vor allem darin, englische Übersetzungen deutscher Dokumente und Artikel zu finanzieren und uns ein sehr teures Lese- und Kopiergerät zu beschaffen, das uns die Dokumentation überhaupt erst ermöglicht hat. Es ist allerdings inzwischen unbrauchbar geworden ist, weil der Hersteller - die Weltfirma Canon - sich außerstande sieht, schon wenige Jahre nach dem Kauf notwendige Reparaturen durchzuführen. So müssen wir mit primitiven Kameras unsere vorhandenen Filme lesbar machen, was äußerst zeitaufwendig ist. Dem Zoryan-Institut, das uns sehr half, aber nie versucht hat, uns politisch zu beeinflussen, sei hiermit ein großer Dank ausgesprochen. Das Gleiche gilt gegenüber dem Zoryan-Direktor der Genozidforschung, Prof. Vahakn N. Dadrian. Uns verbindet eine lange Freundschaft, aber niemals gab es auch von seiner Seite etwas anderes als eine inhaltliche Diskussion, was nicht ausschliesst, daß ich in vielen Aspekten seiner Meinung bin.

Ganz großer Dank gilt meinen wenigen aber so wichtigen Mitarbeitern. Allen voran meiner Frau, die die vielen handschriftlichen Dokumente entzifferte und alle Korrekturen gelesen hat, bis sie jahrelang durch eine schwere Krankheit dazu nicht mehr in der Lage war, sich nun aber langsam wieder erholt. Ohne meinen alten Freund Taner Akçam wäre diese Dokumentation nicht zustande gekommen. Es war seine Idee und er hat uns gerade in der schwierigen Anfangszeit sehr wichtige Hilfen zukommen lassen. Die technische Durchführung lag immer in den Händen von Waro, wie bei uns Vagharshak Lalayan stets heißt, der aber oft genug über seine wissenschaftliche Kompetenz hinaus ein wichtiger Ratgeber war. Toros Sarian begleitete unsere Arbeit von Anfang an und war immer ein ideenreicher Gesprächspartner. Es gibt mehrer Personen, die unsere Arbeit mit Sympathie verfolgen. Von einem Kranz internationaler Helfer, wie einige vermuten, kann allerdings nicht die Rede sein. Wir sind ein kleiner Kreis von Idealisten, die viel Zeit und ausschließlich eigenes Geld opfern, um eine Arbeit zu leisten, zu der in Deutschland eine ordentlich bestückte Organisation offenbar nicht bereit ist.

Hamburg, den 14. April 2009
Wolfgang Gust


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