1915-07-09-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14086
Zentraljournal: 1915-A-21483
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 07/15/1915 p.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 437
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Bericht



Nr. 437

Pera, den 9. Juli 1915

Der Kaiserliche Konsul in Aleppo meldet unter dem 8. d.Mts. folgendes:

"Major von Mikusch von Mossul zurückgekehrt berichtet folgendes:


In einem weiteren Telegramm von demselben Tage berichtet Herr Roessler, dass Djemal Pascha neuerdings strenge Befehle erteilt, um die Niedermetzelung von Armeniern in seinem Befehlsbereiche zu verhüten, und hier beantragt habe, gleiche Befehle für den Bereich der dritten Armee zu erlassen.

Zu letzterem gehört unter anderem auch das Vilajet Diarbekir, in dem die Armenier besonders grausam verfolgt werden sollen. Das Kriegsgericht von Diarbekir führt augenblicklich eine Untersuchung gegen eine Anzahl Führer des Daschnakistenbundes wegen hochverräterischer Umtriebe; man nimmt an, dass sämtliche Angeschuldigte, darunter auch solche, die früher in engen Beziehungen zum jungtürkischen Komitee "Einheit und Fortschritt" standen, zum Tode verurteilt werden. Ueber die sonstigen Vorgänge dort ist hier nichts näheres in Erfahrung zu bringen. Der armenische Bischof (Murachasta) von Diarbekir soll aus Verzweiflung Selbstmord begangen haben.

Aus Erzerum telegraphiert Herr von Scheubner unter dem 8. d.Mts., dass nach neueren Nachrichten aus Baiburt, Erzindjan und Terschan die Armeniermassacres dort wieder begonnen haben. Er ist der Ansicht, dass diese Greuel durch das Komitee, dessen Mitglieder dort als Nebenregierung eine verhängnisvolle Rolle spielen, unter Konnivenz der Behörden gefördert werden.


Wangenheim


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