1915-11-12-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 97Blr. 206
Botschaftsjournal: 10-12/1915/10062
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Vizekonsul in Rodosto (Ziemke) an das Generalkonsulat Konstantinopel (Daehnhardt)

Bericht


Rodosto, den 12. November 1915

No. 180

Im Anschluss an den Bericht vom 1. d.M. No. 156.

Seit dem Datum meines oben bezeichneten Berichtes haben weitere Ausweisungen von Armeniern aus Rodosto nicht mehr stattgefunden. Auch sind seit einigen Tagen keine Transporte aus dem Vilajet Adrianopel hier zur weiteren Verschickung angelangt. Der stellvertr. Mutessarif wiederholte mir seine frühere Äusserung, dass die Ausweisungen, soweit die Stadt Rodosto selbst in Betracht käme, wirklich beendet seien. Der Militärkommandant Salim Pascha jedoch, den ich gelegentlich sprach, meinte, dass die Armenier sämmtlichst ohne jede Ausnahme aus der gesammten europäischen Türkei sowie aus den Küstenplätzen überhaupt ausgewiesen würden. Es scheint hierüber keine Einigkeit zwischen Militär- und Zivilbehörden zu bestehen. Während eines Teils auch die Kommandantur ständig auf Öffnung der versiegelten armenischen Häuser drängt, um die Offiziersfamilien darin unterzubringen, zögert das Mutessarifat damit andauernd, angeblich weil noch weitere Instruktionen fehlen.

Die griechische Bevölkerung ist fortwährend, namentlich anlässlich der schwankenden Haltung Griechenlands, mit grosser Unruhe erfüllt und fürchtet ein ähnliches wenn nicht schlimmeres Schicksal als die Armenier.


[Dr. Ziemke]



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