1915-12-21-DE-011
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon/172
Botschaftsjournal: A53a/1915/7250
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Zustand: A
Letzte Änderung: 04/22/2012


Aufzeichnung des Generalkonsuls in der Botschaft Konstantinopel (Mordtmann)






Pera, den 21. Dezember 1915
Gewaltsame Islamisierung der Armenier in Anatolien:

Sie begann in größerem Umfange und wurde systematisch betrieben in der Provinz Trapezunt.

Der Vizekonsul Kuckhoff (Samsun) berichtete darüber ausführlich zu Anf. Juli d.Js.

Er schreibt u.A. (A53a v. 22. Bl. 176)

"Es handelt sich um Nichts weniger als um die Vernichtung oder gewaltsame Islamisierung eines ganzen Volkes. Die Regierung entsandte strenggläubige fanatische mohammedanische Männer und Frauen in alle Armenischen Häuser behufs Propaganda für den Übertritt zum Islam, unter Androhung der schlimmsten Folgen für diejenigen, die ihrem Glauben treu bleiben. Bis heute sind hier schon viele Familien übergetreten und ihre Zahl vermehrt sich täglich. Die Mehrheit widerstand bisher den Lockungen und wurde täglich gruppenweise ins Innere getrieben. ... Wie ich erfahre, werden sie an nicht entfernten Punkten zurückgehalten um noch gründlicher für den Islam bearbeitet zu werden. In der Umgegend von Samsun sind alle armenischen Dörfer mohammedanisch geworden, ebenso in Unié. Vergünstigungen werden, außer den Renegaten Niemand zuteil."

Über vereinzelte Übertritte in Trapezunt, vgl. ebenda Bl. 204 vo.

Anf. August berichtete ein mohammedanischer Reisender aus jenen Gegenden, daß in Unié, Samsun, Ineboli u.s.w. die Armenier massenhaft zum Islam übergetreten seien; trotzdem seien manche von ihnen hinterher deportiert worden. In Terme war der armenische Priester Mohammedaner geworden und die Kirche in eine Moschee verwandelt worden. (A53a v. 23. Bl. 54)

In andern Gegenden scheint die Islamisierung zunächst keinen weiteren Erfolg gehabt zu haben; doch wurde z.B. berichtet, daß in Konia eine Anzahl Armenier (25) bereit waren überzutreten.

Es ist anzunehmen, daß in vielen Fällen die Behörden, um nicht den Zweck der Armenieraustreibungen: Vernichtung der Männer und Konfiszierung des Armenischen Eigentums, zu vereiteln den Massenübertritt hinderten, bezw. die Übergetretenen trotzdem verschickten.

Auf die Islamisierung der Armenier in Hadjin und Umgegend (Vilajet Adana) bezieht sich ein Bericht der Schwester Didsun vom 15. November (Anl. Bericht Aleppo vom 30.11. Nr. 7078) Aus Adana selbst berichtet der Konsul Büge unter dem 21. Oktober: (Anl. 3) zu Bericht diess. J.No. 6226 in A 53 a v. 24):

"Der Direktor des türkischen Waisenhauses hat den christlichen Zöglingen erklärt, daß sie entweder zum Islam übertreten, oder das Haus verlassen müßten. Die Mädchen verließen das Haus, ebenso ein Teil der Knaben, von denen 14 zurückblieben, die vermutlich islamisiert wurden. Der Direktor hatte den Kindern erklärt, daß in einem Osmanischen Waisenhause die christliche Religion keinen Platz hätte; das Beten wurde ihnen untersagt."

Hier in Konstantinopel sollen bis jetzt unter dem Druck der Verhältnisse 20 Armenier übergetreten sein; angeblich namentlich solche, die in Anatolien begütert sind und durch den Übertritt ihr Vermögen zu retten suchen.


[Notiz Neurath 20. 12.]

Halil Bey bestreitet aufs Entschiedenste, daß zwangsweise Bekehrungen zum Islam in nennenswertem Umfang versucht worden seien. Die vorgekommenen Fälle von Übergriffen unterer Beamter seien bestraft worden.



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