1918-04-28-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 102
Botschaftsjournal: 10-12/1918/II 2606
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der deutsche Militärpfarrer in Angora, David, an die Botschaft Konstantinopel

Schreiben



Die Verhältnisse in Angora spotten jeder Beschreibung, und zwar deshalb, weil die Maßnahmen des stellv. kommandierenden Generals, Oberst Osman Bey, geeignet sind, die politischen Befugnisse des Generalgouverneurs zu erschüttern. Ich muß leider auf den Oberst Osman Bey noch in einigen Punkten eingehen. Im Herbst 1917 verunglückte ein Soldat der dort damals in Angora beschäftigten deutschen Autokolonne. Er wurde auf dem katholisch-armenischen Friedhofe in Angora begraben. Nach einiger Zeit kam ich wieder, sah, daß das Kreuz seines Grabes in kleine Stücke zerschlagen und ihm auf das Grab gestreut war. Ich stellte dieserhalb in Gegenwart von Subhi Pascha den Oberst Osman Bey zur Rede und bat ihn, derartige Ereignisse zu verhindern und zu befehlen, daß das Kreuz, das ich neu setzen lassen werde, unangetastet bleibe, weil derartige Vorkommnisse geeignet seien, die Bundesfreudigkeit zu erschüttern. Nunmehr ist auch das neue Kreuz zerschlagen.

Der Oberst Osman Bey versammelt wöchentlich ein- bis zweimal die türkischen Männer und Frauen und hält ihnen aufreizende Vorträge, und zwar richten sich die Vorträge nicht nur gegen die inländischen Christen, Armenier und Griechen, sondern das Christentum insgesamt. Der Oberst Osman Bey hat der Zivilbevölkerung seines Bezirks große Mengen Transportmittel entzogen und befreit dann diejenigen, die diese Transportmittel stellen, vom Kriegsdienst. Die auf diese Weise zusammengezogenen Transportmittel sind:

4 Pferdewagen-Kolonnen = 74 Wagen = 74 Gespanne
14 Kameel-Kolonnen = 1186 Stück
12 Maultiertragkolonnen = 1118 Stück
17 Eselkolonnen = 1990 Stück

Diese Kolonnen unterstehen dem Hauptmann Djahid Effendi, Oberst Osman Bey verwendet sie nach seinem und seiner Genossen Gutdünken. Ganz abgesehen von Vorstehendem verfügt er über nicht zu unterschätzende Mengen regulärer Transportmittel, deren Zahl mir aber bisher nicht bekannt ist.

Der Oberst Osman Bey hat eine Reihe von Handelsgesellschaften ins Leben gerufen. Diese Handelsgesellschaften monopolisieren die Waren und verkaufen sie zu den ihnen gut dünkenden Preisen. Seine Helfeshelfer und die Träger seiner Geistesrichtung in diesen Handlungen sind: Mufid Hodja, Kolordu Kjatib Schakyr, Idare Kjatib Schükri, Olub Reisi Nedjati. Äußerlich treten andere Personen bei den Handelsgesellschaften hervor. Diese Leute und ihre Helfeshelfer erpressen vielfach der Bevölkerung billig ihre Erzeugnisse, um sie zu den von ihnen festgesetzten Preisen zu verkaufen. Es dienen auch als Mittel zur Verschleierung die Erzeugnisse des Tschiftliks Karadjalar, dessen Leitung in den Händen des Kolorudu Kjatib Schakyr liegt. Auch wird ein schwunghafter Handel dieser Leute mit Reis und Mehl nach Pendik getätigt. Ilfan Jusbaschi, Sefiri Commission Musdiri verkauft im Einverständnis mit Vorgenanntem Gewehre und Munition, den Karabiner das Stück zu 60 bis 70 Pfund türk. So haben die flüchtigen Soldaten und Wegelagerer das bene, ihren Bestand an Waffen und Munition ständig komplettieren zu können. Dieser Verkauf geschieht durch Vermittelung von Monastirli Aquab, Monastirli Arif, die sich bei den Kameelkolonnen befinden. Mit Vorgenannten liiert soll Naklie Schubé Muediri Dhahid sein. In Tschangry sollen der Mutessarif, der Gendarmeriekommandant, der Kassabzadé Fehmi, Gendarmerie-Juesbeschi Ibrahim seine Helfeshelfer sein. In Kastamuni sollen für Osman Bey und Schakyr Bey, wie ich erfahre, Idare Reisi Emin, Huslesin Alaidin, Hussein Tschanah, Akyr Tes..ouesch, Jasidji Rima Sahir handeln.

Die Gendarmerie-Kaserne in Konstantinopel hatte einen Griechen nach Angora geschickt, um Einkäufe für ihre Bedürfnisse zu machen. Er wurde verprügelt und weggejagt mit dem Bemerken, daß er totgeschlagen werden würde, wenn er sich nicht sofort von dannen mache. Der Korpskommandeur hat dieses mit dem Vorstand des Komitees in Angora Medjidi Bey vor der Tat vor Ohrenzeugen besprochen. Noch ein Beispiel: Mufid Hadja hat Pasturma zu 140 Piastern die Ocka verkauft, als sie noch 110 Piaster kostete. Der Kauf ist getätigt an Ahs Askeri Hetsti, Osman Bey.

Der Korpskommandeur Osman Bey ist mit einigen Hodjas als Relief zum Wali gegangen und verlangte von ihm den Abtransport aller Christen nach Einziehung aller Männer. Begründet hat er diesen Antrag:

die seine, des stellv. Kommandierenden, Sache seien.



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