1915-08-27-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 97/Bl. 102-103
Botschaftsjournal: 10-12/1915/7201
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Die Schweizer Firma Société de Transports Internationaux an die deutsche Botschaft Konstantinopel

Schreiben


Genève, le 27. August 1915.

An seine Excellenz den kaiserlichen deutschen Gesandten!

Wir nehmen höflich Bezug auf unser Schreiben vom 21. ds., mit welchem wir, auf Veranlassung des hiesigen deutschen Generalkonsuls, uns die Freiheit nahmen, die Vermittlung der kaiserlich deutschen Gesandtschaft in Konstantinopel in Anspruch zu nehmen, indem wir Sie baten einen Betrag von Fr. 2000,- an Herrn Mourad Khérian auszahlen zu lassen.

Wir werden in Zukunft noch weitere, bedeutendere Summen zur Verfügung von Herrn Khérian zu halten haben, die das Guthaben unseres Geschäftsfreundes ebnen werden. Da aber dieses Guthaben aus Transactionen stammt, die zum Teil schweizerisches und zum Teil deutsches Geld darstellen, wäre es uns angenehm, eine Kopie des Geburtsscheins des Herrn Khérian zu besitzen, um diese Zahlungen rechtmässig und ohne Bedenken vornehmen zu können.

Herr Mourad Khérian, Sohn des Kirkor Khérian, ist in Egnin im Jahre 1860/61 geboren und wohnt seit mehr als dreissig Jahren in Samsoun. Der Sohn dieses Mourad Khérian, der bei uns vorsprach, hat uns Akten vorgelegt, aus welchen hervorgeht, dass er ottomanischer Unterthan ist: wir nehmen an, dass der Vater ebenfalls Türke ist, möchten aber doch dieselben Beweisstücke besitzen.

Der türkische Generalkonsul in Genf hat uns in verdankenswerter Weise seine Hilfe angeboten, empfahl uns aber, da wir wegen dieser Angelegenheit Khérian schon an die kaiserliche deutsche Gesandtchaft in Konstantinopel geschrieben haben, uns an Ihre Excellenz zu wenden, um die ganze Sache auf einmal und auf das Einfachste zu erledigen.

Wir gestatten uns daher nochmals zu bitten, uns diese Gefälligkeit zu gewähren. Wir geben der Firma Schenker & Co dort, Auftrag für sämtliche Spesen aufzukommen.

Indem wir Ihre Excellenz gütigst um Entschuldigung bitten, zeichnen mit


ganzer Ergebenheit
Société de Transports Internationaux
[Unterschrift]
[Notiz Botschaft 7.9.]

Urschriftlich u. Rückerbittung dem Kaiserl. Konsulat Samsun zur gefl. weiteren Veranlassung.

[Notiz Botschaft]

erfahre bei Hochstr. daß Balakdjian in K’s Tochter verliebt ist und etwas über den Aufenthalt der Familie weiß.

28.IX abends der Geburtsschein nicht erhältlich, weil alle Priester ausgewiesen sind. Gouverneur weiß angeblich nichts über Verbleib der Familie K. Behufs Erlangung einer Abschrift des Nufuss wird amtliche Eingabe von mir verlangt, anscheinend um nach Konspel [Konstantinopel] geschickt zu werden - also ad calandas gracas.

26.IX. Balakdjian u. persischer Konsul. bringen Nachrichten und baten darum ersteren Gelegenheit zum Schriftwechsel mit Mourads Sohn in Genf zu verschaffen da die neutralen Konsulate seit letzter Zeit nur offene Briefe mit der türk. Post befördern dürfen. Ersuchte Balakdjian um Bericht; Brief nach Genf dürfe nur die Familien- und Geldangelegenheiten enthalten aber keine weiteren Mitteilungen betr. Armeniertrans[nicht entziffert]



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