1916-03-03-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 99/Bl. 112-114
Botschaftsjournal: 10-12/1916/2517
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Die österreichisch-ungarische Botschaft Konstantinopel an die deutsche Botschaft Konstantinopel

Schreiben


Konstantinopel, am 3. März 1916.

Die k.u.k. Botschaft beehrt sich der kais. Botschaft nachstehendes für Dieselbe bestimmte Telegramme des k.u.k. Konsuls in Adrianopel ergebenst mitzuteilen:

„Deutsche Orient Bank ersucht um Weisung wegen des Bevollmächtigten Armenier Warteressjan, da bei diesen Ausweisungen auch die Beamten aller Administrationen inbegriffen. Bank befürchtet eine gewaltsame Entfernung des Genannten, welcher Bankgebäude wohnt.

Da den übrigen Angestellten ein Termin bis Sonntag gegeben wurde, bis zu welchem sie zwischen Islam und dem Exil zu wählen haben, ersuche ich um umgehende Antwort.“


Von der k.u.k.Botschaft:
[Unterschrift]
[Antwort Mordtmann 4.3.]

Sehr verehrter H. Kollege,

bekomme soeben (h 12 1/2) beifolgende Piece. Ich kenne keine Vorgänge, verstehe auch im Augenblick nicht die Wörter "aller Administrationen". Die Deutsche O.B. Filiale Adrianopel war von der Deutschen Bank mit der Vertretung ihrer Interessen bei den Liquidationskommissionen betraut.

Bin leider noch nicht soweit um auf die Pforte gehen zu können; vielleicht haben Sie Gelegenheit vorläufige Schritte zu tun. Entschuldigen Sie bitte die Störung!


Besten Gruß
Mordmann.
[Verfügung Weber 4.3.]

1. die oesterr. Botschaft ist durch Boten um Übermittlung folgenden Telegramms an d. ksl. Vizekonsulat in Adrianopel zu ersuchen: „dortige Regierung wird angewiesen, den genannten Armenier unbehelligt zu lassen.“

2. Der Leiter der „Sûreté Générale“ Aziz Bey meinte, es liege ein Mißverständnis vor. Soweit hier bekannt, sollten nur „verdächtige“ Armenier aus Adrianopel entfernt werden. Diese Maßregel sei nicht auf solche Armenier anwendbar, die eine gesicherte Lebensstellung haben u. sich nichts hätten zuschulden kommen lassen. Sollten etwa bestimmte Beschuldigungen gegen Warteressian vorzubringen sein, so gehöre er vor das Kriegsgericht.

Aziz Bey hat mir zugesagt, noch heute nach Adrianopel zu telegrafieren.

3. Herrn Gk. Dr. Mordtmann z.K.



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