1915-12-09-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 98/Bl. 64-67
Botschaftsjournal: 10-12/1915/11113
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Direktor der Anatolischen Industrie- und Handelsgesellschaft in Konia Willy Seeger an die Botschaft Konstantinopel

Schreiben


Konia, den 9. Dezember 1915.

Einer Kaiserlich deutschen Botschaft erlaube ich mir ganz ergebenst folgendes zu unterbreiten:

Eine Postkarte vom 13. v. Mts., aus Urfa Wilajet Aleppo, brachte mir die Nachricht vom Tode meines Schwiegervaters, des protestantischen Pastors Bedros Krikorian der seit 16 Jahren Hausvater im Dienste der deutschen Orient Mission, Potsdam, stand. Mit gleicher Postkarte teilt mir auch mein Freund, Herr Diakon Kuenzler mit, daß meine 55 jährige Schwiegermutter mit ihrer jüngsten 15-jährigen Tochter Fiebe auf der Wanderschaft nach dem Süden sind.

Der Sinn dieser Bezeichnung ist jedem, der die letzten Monate im Innern des Landes gelebt hat, nur zu klar - die Opfer diese Verschickung gehen dem Hungertode entgegen, falls sie nicht eine rettende Hand vor diesem grausamen Schicksal bewahrt.

Nachdem hier in Konia „Protestanten“ und „Angehörige von Soldaten“ bis jetzt von der Verschickung ausgeschlossen waren, bitte ich eine Kaiserliche deutsche Botschaft ganz ergebenst in diesem Sinne bei dem Minister des Innern vorstellig zu werden, denn mein Schwager „Heikarun Krikorian“ fand für das Osmanische Vaterland vor einigen Monaten seinen Tod bei Meidos-Dardanellen.

Ich nehme mir die Freiheit an das Kaiserliche deutsche Konsulat in Aleppo folgendes Telegramm zu senden und bitte eine Kaiserliche deutsche Botschaft ganz ergebenst um gütige Hilfe in dieser Angelegenheit. Hochachtungsvoll und ergebenst


Willy Seeger.
[Telegramm an das Konsulat Aleppo]

Bitte erkundet durch Kuenzler Urfa Aufenthalt meiner Schwiegermutter Frau Pastor Zelver Krikorian nebst Tochter Fiebe veranlasst Rueckkehr nach hier auf meine Kosten Botschaft erhielt Nachricht. Willy Seeger Direktor der Anatolischen Industrie Gesellschaft.

[Anatolische Eisenbahn (Schmidt) an Mordtmann 14.12.]


Vertraulich!

Sehr geehrter Herr Generalkonsul!

Im Anschluss an unsere gestrige telephonische Unterredung beehre ich mich, untenstehend die Namen der Verwandten des Herrn Seeger aufzugeben:

Vorname und Familienname der Schwiegermutter des Herrn Seeger: Zelver Krikorian, 55 Jahre alt.

Name der Schwägerinnen: Eube [Korrektur Mordtmann: Fiebe nach 11069] Krikorian, 15 Jahre alt und

Gazia Krikorian, 18 Jahre alt, z.Zt. auf der armenischen Schule in Marasch.

Leider liess sich trotz Benutzung unseres Dienstdrahtes eine schnellere Uebermittlung der Angaben nicht ermöglichen.

Ich hoffe, dass Ihre in Aussicht genommenen Schritte von Erfolg begleitet sein werden und rechtzeitig kommen.


Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr sehr ergebener
Franz J. Schmidt.
[Notiz Botschaft]

zu J.No. 11113/10/12

Auf Grund einer Besprechung mit Generalkonsul Mordtmann und Aziz Bei, Adjoint Ismael Djambolat Beis, der die Einreichung eines Privatgesuchs für unbedingt notwendig erklärte.


[Telegramm Botschaft an Seeger "Deutsch-Levantinische Baumwoll-Gesellschaft" Konia 21.12.]


Drahtet tuerkisches gesuch um erlaubnis fuer schwaegerin zur reise nach konia an ministerium des inneren mit kurzer begruendung betreffend personalien protestantische religion beteiligung bruders am Kriege verwandschaft mit ihnen punkt verstaendiget botschaft drahtlich von telegrammabgang.

[Notiz Mordtmann 22.12.]


Kosten später von Seeger einziehen

[Telegramm Seegers an Botschaft 24.12.]


konsul drahtet schwaegerin von tell abiad in aleppo pun[k]t tuerkisches gesuch fuer beide schwaegerinnen an ministerium innern heute als a[e]iltelegramm gesandt - seeger.

[Notiz Mordtmann 29.12.]


am 16/29 hat Ministerium Innern nach Marasch und Aleppo [unleserliches Wort] des Seeger'schen Gesuches telegraphiert.


[Botschaft an Konsulat Aleppo 29.12. (No.185)]

Ministerium des Innern telegraphierte 29. d. Mts. nach Marasch und Aleppo Erlaubnis für Schwägerinnen Willi Seeger zur Reise nach Konia.


[Notiz Mordtmann 29.12.]

Ich habe Herrn Dr. F.F. Schmidt durch Schreiben von gestern gebeten Herrn Seeger tel. zu benachrichtigen.



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