1918-05-21-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 102
Botschaftsjournal: 10-12/1918/II 3372
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Konsul in Aleppo (Rößler) an den Botschafter in Konstantinopel (Bernstorff)

Bericht


Aleppo den 21. Mai 1918

No. 1105

Vertraulich

Abschriftlich Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter Herrn Grafen Bernstorff gehorsamst zur geneigten Kenntnis überreicht. Ich habe den deutschen Armeearzt der Heeresgruppe Yilderim vertraulich gebeten, wenn möglich den Militärarzt aus Marasch, Kaimakam Ihsan Bey versetzen zu lassen, weiss aber nicht, ob er imstande ist, einen Einfluss auf diese Stellenbesetzung auszuüben. Der Genannte gehört meines Wissens zur 7. Armee.


Rößler
[Notiz Mordtmann 5.6.]

Das von dem Dr. Ihsan bej durch Vorlesen verbreitete Buch ist offenbar der offizielle Bericht der Regierung über die armenischen Greuel, d.h. über die von den Armeniern in Anatolien verübten Greuel.

W.v. bei Ankunft des H. Roessler hier.


Anlage

Abschrift

Deutsches Waisenhaus


Marasch, 16. Mai 1918

Nach den gemachten Erkundigungen ist meiner Ansicht nach von der Ortsregierung nichts zu befürchten, allerdings sind in der letzten Zeit wiederholt Armenier getötet worden und die Regierung tut nichts dagegen, was bei den gewöhnlichen Leuten einen Anlass zur Furcht vor einem Massaker gibt.

Eben, während ich diese Zeilen schreibe, wurde mir die Nachricht gegeben, dass wieder zwei Armenier getötet wurden die Soldat sind und auf ihrem Posten waren. Dagegen sollte allerdings die Behörde einschreiten.

Was nun die Gährung hervorruft, sind einige Personen, die nichts anderes zu tun wissen, als Greueltaten der Armenier aufzutischen, welche im Osten vorgekommen sein sollen, was sich meinem Urteil entzieht. Auch ein türkisches Buch über „Armeniergreuel“ wird besonders von einem türkischen Militärarzt, Ser Tabib, Kaimakam, Ihsan Bey hier propagiert. Er sitzt oft mit Türken auf dem Markte zusammen und dann wird laut daraus vorgelesen und jeder macht noch seine besonderen Bemerkungen dazu. Dass das einen grossen Einfluss auf die dumme türkische Bevölkerung macht, lässt sich denken. Dem Mutesarrif wurde kürzlich eine Eingabe überreicht, mit etwa hundert Unterschriften von den oberen Zehntausend mit Ausnahme von Kadri Pascha, wo er aufgefordert wurde, von den Armeniern wieder zu verbannen, es wären noch zu viele da und viele kämen zurück. Dieses Papier liess er verschwinden und nahm keine Notiz. Aber von denen, die unterschrieben hatten, liess sich auch niemand sehen - daraufhin wandten sie sich an Emr-Ullah Bey (Ortskommandant) und erreichten damit, dass alle Armenier, die hier bei der Etappe als Handwerker beschäftigt waren, nach Aleppo geschickt wurden.

Um zum Schluss zu kommen, möchte ich noch eine Bitte aussprechen, ob Sie nicht etwas dazu beitragen könnten, dass der erwähnte Militärarzt versetzt würde, damit hier Ruhe würde.

Was zu den Unruhen noch beitrug, war ein Vortrag von einem Chodja namens Chair-ullah, der schon früher immer sich auszeichnete. Er soll gesagt haben: Was wartet Ihr noch? braucht ihr vielleicht einen Befehl von der Regierung, um den Armeniern hier zu vergelten, was sie an unseren Leuten im Osten verübt haben? Natürlich zünden solche Reden, aber ich weiss genau, dass die Behörde Befehl hat, nichts gegen die Armenier mehr zu unternehmen. Was unter der Hand noch geschieht, da wäscht sich die Regierung schon heraus.


gez. Karl Blank

Herrn Konsul Rössler Hochwohlgeboren Aleppo.

[Notiz Mordtmann 20.6.]


Ich habe die Sache mit H. Roessler bei seiner Anwesenheit hier besprochen und ihm meine Ansicht nicht verhehlt, daß diesseitige Schritte in dieser Sache erfolglos sein dürften; Hr. R. bittet immerhin die mil. Stellen, die in Betracht kommen, zu informieren.


[Botschaft an Militärbevollmächtigten (Lossow)]

U.R. [Um Rückgabe] dem H. Militärbevollmächtigten
Pera, den 23. Juni 1918
I.A. Scharfenberg.
[Lossow an Botschaft]
Eing. 24.6. Anl. 2 B.Nr. 4095/18
P[era] 26.6.18

Der K. Botschaft zurückgereicht. Eine Einwirkung auf die in Frage kommende türkische Dienststelle erscheint uns von der hiesigen Militärbehörde aus nicht angängig.



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