1916-05-18-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 100/Bl. 145-151
Botschaftsjournal: 10-12/1916/II 5859
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der deutsche Arzt Strube an die Botschaft Konstantinopel

Schreiben


Pera, den 18. Mai 16. Deutsches Krankenhaus.

Sehr geehrter Herr Geheimrat!

Anna Schellinghian ist mit dem Vorschlage, betreffs Unterbringung bei den Amerikanern, einverstanden.


Mit vorzüglicher Hochachtung!
Ganz ergebenst
Dr. Strube

[Mordtmann an Vize-Konsul Fabricius]
Pera, den 18. Mai 1916.

Sehr geehrter Herr Dr.!

Beiliegend gestattet ich mir Ihnen die Akten betr. die Angelegenheit Dr. med. Strube - Anna Tschilingirian, über die ich neulich mit Ihnen sprach, s.p.r. zu übersenden.

Wie Sie aus dem Schreiben des Dr. Strube an mich erfahren wollen, ist Fräulein Tschilingirian mit ihrer Unterbringung bei den Amerikanern einverstanden.

Würden sie nunmehr, wie in Aussicht genommen den amerikanischen Generalkonsul zu sondieren die Güte haben & uns von dem Ergebnis Mitteilung machen?

Mit bestem Gruß & Dank im voraus


Ihr ergebenster
J. M. Mordtmann


[Der amerikanische Generalkonsul Gabriel Bie Ravndal an den deutschen Vizekonsul in Konstantinopel (Fabricius)]
May 25/1916

Dear Dr. Fabricius: This is Miss Gage, Secretary for Turkey of the International Young Women’s Christian Association. You may talk to her freely about that young lady and with perfect confidence in her discretion and loyalty.

Yours

G.B.R.

[Die amerikanische Missionarin Frances C. Gage an Fabricius 27.5]

My dear Sir.

This morning I have had a talk with Anna Chiligerian and am now writing to Dr. Patrick the president of the American College for girls the details of her case.

Dr. Patrick promised me last evening to take up the matter seriously with the college managers and see whether they could do anything worth while for the young lady or not. Of course Anna’s case is not an unusual one in these days and it is the harder to do anything for her because she has very little education and cannot be received into any of the regular classes of our college. However I am most glad to do anything possible to serve you in this matter and to safe life in any way worth while for this young girl. You will hear [nicht entziffert]


Yours respectfully
Francis C. Gage.

[Die Präsidentin des American College for Girls, Mary Mills Patrick, an den deutschen Vizekonsul Fabricius 5.6.]


Dear Herr Fabricius:

Miss Gage has written to me about an Armenian Girl in whom you are interested. Miss Gage wrote that you desire to put her in our College. We do not have scholarship money to provide for poor girls in this College, but perhaps you would be able to pay for her from some German fund. The fee is fifty liras for the year, which is not very dear.

Miss Gage also said you wished her to be put as a maid in a family for the summer. I will try and find such a family if I can. You may already have found some possibility for her for the summer. I shall be pleased to hear from you just what your wish is in regard to the girl.

Our college will open on September 15th.


Yours very sincerely
Mary Mills Patrick.


[Das deutsche Generalkonsulat Konstantinopel an Mordtmann 21.6.]

Sehr geehrter Herr Generalkonsul!

Anbei die Akten in Sachen der Anna Schellinghian. Die Aufnahme in einem amerikanischen Kollege hat sich nicht ermöglichen lassen. Frl. Werth hat das Mädchen darauf auf meine Veranlassung dem zuständigen armenischen Patriarchen zugeführt, wo sie jetzt untergebracht ist. Die Familie Werth, die aufs Land reisen will, konnte die junge Armenierin nicht länger bei sich behalten.

Mit besten Grüßen Ihr ergebenster

Fabricius.


[Notiz Mordtmann 24.6.]

Herrn Botschaftsrat v. Neurath mit den VA. zu weiter. Vfg. - Benachrichtigung de H. Gf. v. Schulenburg (Privatschreiben? amtliches Schreiben?) vorzulegen.


[Notiz Neurath]

Bitte Entwurf eines Privatschreibens.


[Neurath an Schulenburg (28.6.)]

Lieber Graf Schulenburg,

Erst jetzt komme ich dazu Ihre frdl. Zeilen aus Ersindjan vom 16. April zu beantworten.

Herr Dr. Strube und Frl. Tschilinghirian sind Ende April hier eingetroffen ohne unterwegs von den türkischen Behörden behelligt worden zu sein. Dr. Strube ist dann einige Wochen später nach Deutschland abgereist, während seine Begleiterin zunächst bei Frl. Werth Unterkunft fand. Nach Lage der Sache war es ausgeschlossen ihr einen Reisepaß nach Deutschland zu beschaffen; ebenso hat das hiesige Amerikanische Mädcheninternat, in dem wir sie unterzubringen hofften, die Aufnahme abgelehnt. Da die Familie Werth sie auch nicht länger bei sich behalten konnte, ist sie schließlich dem Armenischen Patriarchate zugeführt worden, wo sie vorläufig in Sicherheit sein dürfte. Damit erübrigen sich auch die von Ihnen in Aussicht genommenen Schritte beim deutschen Hilfsbunde und ähnlichen Vereinigungen. Ich bedaure lebhaft, daß wir nicht mehr für Ihren Schützling haben tun können; immerhin geht es ihr unendlich besser als den vielen Tausenden ihrer Leidensgenossinnen die Alles - man kann nicht einmal hinzufügen hors l’honneur - eingebüßt haben.

Der sonstige Inhalt Ihres Briefes hat mich lebhaft interessiert und ich habe ihn auch dem Herrn Botschafter mitgeteilt; eventuell werde ich auf Einzelnes noch besonders zurückkommen.

Mit den herzlichsten Grüßen, auch von meiner Frau,

Ihr aufrichtig ergebener


N[eurath]



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