1915-09-29-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 97/Nr. 81-83
Botschaftsjournal: 10-12/1915/8288
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Zustand: B
Letzte Änderung: 03/23/2012


Die österreichisch-ungarische Botschaft Konstantinopel (Leschanofsky) an den Generalkonsul der deutschen Botschaft in Konstantinopel (Mordtmann)

Schreiben



Constantinople, den 29. September 1915

Sehr geehrter Herr Generalkonsul!

Unsere Mechitaristen bitten um Intervention zugunsten ihrer in Erzerum befindlichen 5 Mitbrüder, damit ihnen entweder ein sicherer Aufenthalt dort gewährleistet werde oder sie die Erlaubnis erhalten (am besten über Kaisarié) hierherzukommen. Talaat hat kürzlich unserem Geschäftsträger nach einigem Insistieren von Seiten des letzteren versprochen nach Erzerum zu telegrafieren, damit dieselben unbehelligt gelassen werden. Bevor wir in der Sache weitere Schritte unternehmen u. um überhaupt zu wissen welche Bewandtnis es mit ihnen derzeit hat, (ein von ihnen vorliegender Brief ist ca. 1 Monat alt u. man kann nicht wissen was in der Zwischenzeit mit ihnen geschehen ist), wäre es uns nun sehr erwünscht durch Ihr dortiges Konsulat darüber informiert zu sein 1) Ob die Betroffenen überhaupt noch am Leben u. in Erzerum sind, 2) Ob nach dem natürlich unverbindlichen Dafürhalten Ihres Konsuls es für sie sicherer ist, vorderhand weiter dort zu bleiben oder (eventuell mit Eskorte) hierher zu reisen u. auf welcher Route (Trapezunt oder Kaisarié). Unsre weiteren Bemühungen würden sich dann nach der erhaltenen Auskunft richten.

Wäre es Ihrer Botschaft möglich das deutsche Konsulat in Erzerum telegrafisch zu einer ebensolchen (kurzen) Äußerung über die vorstehenden Fragen zu veranlassen?

Mit dem besten Danke für Ihre diesbezüglichen Bemühungen im voraus zeichnet

Ihr hochachtungsvoll ergebener


Leschanofsky

[Die Botschaft Konstantinopel an das Konsulat Erzerum (No. 55) 30.9. (1012 8154)]


Bitte festzustellen ob die dortigen Mechitaristen noch am Leben und ob es sicherer ist sie vorläufig dort zu belassen oder sie - eventuell unter sichrer Eskorte - hierher abreisen zu lassen und auf welcher Route, Trapezunt oder Kaisarié. Drahtbericht.


[Das Konsulat Erzerum an die Botschaft Konstantinopel (No.104) 3.10.]

Antwort auf Telegr. No. 55.

Hiesige Mechitaristen befinden sich wohl und laufen keine Gefahr. Wünschen ebenso wie Schwestern und gemeinsam mit diesen über Caesarea nach Constantinopel zu fahren da ihre Schulen geschlossen und ihnen somit Existenzmittel fehlen. Armeekommandierender wünscht ebenfalls Entfernung der Mechitaristen und Schwestern wegen Sicherheit der Festung verlangt aber Reise nach Aleppo, wo für sie ebenfalls keine Möglichkeit zu leben. Bitte mit tunlichster Beschleunigung Genehmigung für Mechitaristen und Schwestern zur Reise nach Constantinopel von dortiger Regierung zu erwirken. Reise über Ceasarea ohne Gefahr falls Behörden in Siwas und Caesarea angewiesen werden für schleunige Weiterbeförderung und Geleit durch Gendarme Sorge zu tragen. Schwestern ohne Geld.



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