1916-01-11-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 98/Nr. 106-110
Botschaftsjournal: 10-12/1916/404
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Telegramm-Abgang: 01/11/1916 05:00 PM
Telegramm-Ankunft: 01/12/1916 09:00 AM
Zustand: B
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Konsul in Aleppo (Rößler) an die Botschaft Konstantinopel

Telegraphischer Bericht



No. 6 vom 11. Januar
Der armenische Arzt und Apothekergehilfe des deutschen Krankenhauses in Urfa sind inhaftiert. Ursache unbekannt. Wahrscheinlich auf Fakhri Pascha zurückzuführen der ihn für gefährlich hält nur weil er seinen Vater im Massacre 1895 verloren hat. Bitte Angelegenheit wenn möglich durch Kriegsministerium ordnen.

[Roessler]
[Antwort Botschaft Konstantinopel (No. 11) 14.1.]

Antwort auf Tel. No. 6

Bitte Namen der betreffenden Personen drahten.


[Konsulat Aleppo an Botschaft Konstantinopel (No.11) 15.1. (B.Nr. 544)]


Antwort auf Telegr. Nr. 11.

Name des Arztes Dr. Armenak Abuhayatian. Name des Apothekergehilfen erfrage ich in Urfa.


[Konsulat Aleppo an Botschaft Konstantinopel (No.12.) 18.1. (B.Nr. 636)]


Im Anschluß an Telegramm No 11.

Name des Apothekergehilfen ist Jussuf früher Hosep.


[Roessler]


[Konsulat Aleppo an Botschaft Konstantinopel (No.15) 24.1. (B.Nr. 893 ]

Im Anschluß an Tel. Nr. 11.

Arzt des deutschen Hospitals Urfa ist inzwischen wie das ganze männliche eingeborene Personal muhamedanisch geworden. Er heißt jetzt Arif Effendi und ist vom Kriegsgericht verurteilt Strafe unbekannt.

Auch die von der Regierung in Urfa gesammelten Waisen sind muhamedanisch geworden. Würde von deutscher Seite für die Bekehrten eingetreten so würden sie meines Erachtens sicherlich verschickt werden und wahrscheinlich umkommen.


[Roessler]
[Notiz Neurath]

S. Exz. zur K.

zu vergleichen die Versicherungen Halil’s!


[Botschaft Konstantinopel an den Reichskanzler 28.1.]

(Vorbericht No.29)

No. 39

Ein weiteres sicheres Beispiel für die Islamisierung der Armenier wird vom Kaiserlichen Konsul in Aleppo gemeldet. Auf Antrag des Herrn Roessler stand die Kais. Botschaft im Begriff sich für den Arzt und Apothekergehilfen des von der Deutschen Orientmission in Urfa unterhaltenen Spitals zu verwenden, welche von den Behörden verhaftet worden waren und von denen der letztere bereits zum Islam übergetreten war. Nunmehr zeigte Herr Roessler hier an, daß auch der Arzt, ein gewisser Abdulkajatian mit dem gesamten übrigen männlichen Personal des Spitals Mohammedaner geworden sei und den Namen Arif angenommen habe. Trotzdem ist er vom Kriegsgericht verurteilt worden. Die von den Behörden in Urfa gesammelten Waisen sind ebenfalls dem Islam zugeführt worden. Nach Ansicht von H. Roessler würde ein weiteres Eintreten für die auf diese Weise Bekehrten nur zur Folge haben, daß sie verschickt und unterwegs aus dem Wege geräumt werden.

Endlich wird in einem Briefe aus Konia bestätigt, daß die dort konzentrierten Armenier allmählich weiter ins Innere abgeschoben werden, wo sie auf türkische Dörfer verteilt und zur Annahme des Islam genötigt werden.


[Konsulat Aleppo an Botschaft Konstantinopel (No.19) 29.1. (B.Nr. 1110 1012)]


Im Anschluß an Telegr. Nr. 15.

Die Verwandten des Arztes Hospitals Urfa erbitten Auskunft ob Botschaft wegen Aufhebung kriegsgerichtlichen Verurteilung Schritte tut.


[Rößler]

[Notiz Botschaft Konstantinopel 4.2.]

Tel. 15 besagte, daß Arzt u. Apothekergeh. Urfa Mohammedaner geworden sind.

H. Dr. Mordtmann ist krank, die Sachen sind bei ihm nicht gefunden worden.


[Notiz Mordtmann 9/23 Janvier 1916]

Hôpital Allemand à Urfa (entretenu par la „Deutsche Orient Mission“). Le médecin de l’hôpital, Dr. Armenak Abuhayatian, et l’aide-pharmacien Youssouf (auparavant Hosep) ont été dernièrement arrêtés.

Prière d’examiner leur cas et de les relâcher, s’il n’y a pas de faits spéciaux à leur charge.


[Konsulat Aleppo an Botschaft Konstantinopel (No. 23) 11.2. (B.Nr. 1699 1012)]

Im Anschluß an Telegr. Nr. 15.

Jetzt auch Apotheker Hospitals Urfa Karekin Turekian verhaftet obwohl bei Ereignissen abwesend. Ob Urteil Arztes schon gesprochen zweifelhaft geworden. Nur Intervention Kriegsministers kann helfen.


[Rößler]

[Antwort Botschaft Konstantinopel (Nr. 29) 19.2.]

Auf d. Tel. No. 23
Anheimstelle direkte Schritte beim Kriegsminister. Verwendung hier nach Sachlage zwecklos.



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