1915-09-16-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 97/Bl. 34-35
Botschaftsjournal: 10-12/1915/7903
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Telegramm-Abgang: 09/16/1915
Telegramm-Ankunft: 09/23/1915
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: J.No. 812
Zustand: A
Letzte Änderung: 04/01/2012


Der Konsul in Adana (Büge) an den Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Hohenlohe-Langenburg)

Bericht


Adana, den 16. September 1915.

J.No. 812

1 Anlage

Euerer Durchlaucht beehre ich mich auf den Erlass vom 31. v.Mts., No. 6357, und im Anschluss an mein Telegramm von heute Abschrift eines mir zugegangenen Schreibens des Missionsvorstehers von Dobbeler in Harunije vom 12. d. Mts. in der Anlage gehorsamst zu überreichen, in welchem die gegenwärtige Situation der Anstalt geschildert ist.

Für eine „sichere Garantie“ für den ungestörten Fortbestand derselben würde der gute Wille sowohl der Central- wie der Lokalregierung die bis jetzt fehlende Voraussetzung sein.


Büge
Anlage

Abschrift

Harunije im Vilajet Adana, den 12. September 1915.

Euer Hochwohlbgeboren

erlaube ich mir auf die an mich ergangene Anfrage hin das Folgende in Ergebenheit zu erwidern:

Unsere hiesige Anstalt befindet sich in einem Zustande permanenter Unsicherheit. Ich weiss nicht, ob das Waisenhaus und die deutsche Schule morgen noch bestehen werden, da in der jetzigen Zeit heute von der Regierung gegebene Befehle und Zusagen morgen in das Gegenteil verkehrt werden können. Noch nie hat die türkische Regierung eine solche Ziellosigkeit und Unbeständigkeit gezeigt, wie jetzt. Unter dieser Unbeständigkeit haben, neben dem ganzen Betrieb, besonders die Lehrer und Angestellten unseres Instituts zu leiden, denn jene werden alle 2 - 3 Tage mit Ausweisungsbefehlen geängstigt deren Zurücknahme ich von Fall zu Fall bis jetzt durchsetzen konnte. Ob mir dies in Zukunft auch gelingen wird ist fraglich. Wir haben hier den Eindruck, dass die Regierung immer wieder dem Druck der türkischen Beys nachgiebt, die auf restlose Ausweisung hindrängen. Dass dadurch, abgesehen von den vorkommenden Grausamkeiten, das Land zur Wüste wird, geniert scheinbar nicht, denn was gilt jenen, nur auf ihren eigenen, momentanen Vorteil bedachten Menschen die Wohlfahrt des Landes? Bei der bestehenden Unsicherheit kann von einem geordneten und geregelten Schulbetrieb keine Rede sein, was in Anbetracht unserer Arbeit, mit der wir dem Lande, und nicht zuletzt dem Deutschtum dienen, sehr bedauerlich ist.

Ich ersuche deshalb Euer Hochwohlgeboren, mir bei der Vilajets-Verwaltung, oder gegebenenfalls bei der Central-Regierung in Konstantinopel dauernde und sichere Garantien für den ungestörten Fortbestand unserer Anstalt erwirken zu wollen.

Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung zeichne ich als Euer Hochwohlgeboren


ergebenster
[B. von Dobbeler]



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