1916-01-14-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 98/Bl. 125
Botschaftsjournal: 10-12/1915/01307
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Leiter der deutschen Missionsstation in Mamuret-ul-Aziz (Ehmann) an den Botschafter in außerordentlicher Mission in Konstantinopel (Wolff-Metternich)

Schreiben


Mamuret-ul-Aziz, den 14. Januar 1916.

Ew. Exzellenz!

Der Unterzeichnete erlaubt sich Ew. Exzellenz mitzuteilen, dass die geneigte Depeche Ew. Exzellenz vom 3. Januar derzufolge er den Veranstaltern und Teilnehmern an der deutschfreundlichen Kundgebung den hochgeschätzten Dank Ew. Exzellenz übermitteln sollte, erhalten und den Auftrag Ew. Exzellenz zur grössten Freude und Zufriedenheit der betreffenden Herren, besonders des um unsere Arbeit sehr verdienten Müarüf Müdürü Ferid Bey’s, ausgerichtet hat. Dabei wurde ihm die Ehre zuteil, Ew Exzellenz die freundschaftlichsten Grüsse unseres deutschfreundlichen Generalgouverneurs, Sabit Bey, übermitteln zu dürfen.

Der Unterzeichnete erlaubt sich bei dieser Gelegenheit nocheinmal zu betonen, dass Seine Exzellenz der Generalgouverneur in der Ausweisungsfrage den hiesigen deutschen Anstalten in weitgehender Weise entgegenkam. Sowohl die Ende Juni v.J. durch die Fürsprache Freiherr von Wangenheims unserem Anstaltspersonal erwirkte Befreiung vom Ausweisungsbefehls als auch die später durch die Vermittlung Fürst von Hohenlohes dem Rest der evangelischen Christen gnädig gewährte Vergünstigung zum Verbleiben fanden die volle Würdigung des Valis. Er hat auch bestmöglichst für die strikte Durchführung dieser Erlasse gesorgt, so dass nur ausnahmsweise und zwar während der Abwesenheit des Generalgouverneurs vor etwa zwei Monaten mit andern zusammen auch mehere Protestanten und Katholiken ausgewiesen wurden.

Das hochwerte Schreiben Ew. Exzellenz Nr. 11295 vom 23. Dezember veranlasst den Unterzeichneten Ew. für das unseren Bildungs- und Wohltätigkeitsanstalten entgegengebrachte Interesse und Wohlwollen seinen untertänigsten Dank zu Ausdruck zu bringen. Da während des Kriegs die Verhältnisse wohl unbeständig bleiben werden, erlaubt er sich auch Ew. Exzellenz zu ersuchen, für unsere Anstalten und die mit denselben verbundenen unter deutschem Einfluss stehenden evangelischen Gemeinde dieser Stadt, von der noch ein kleiner Rest geblieben ist, gelegentlich Fürsprache einlegen zu wollen bei der türkischen Zentralregierung , damit die denselben zugehörigen Armenier und Syrer auch fernerhin von dem Ausweisungsbefehl befreit bleiben möchten.


Verehrrungsvollst
Johannes Ehmann
[Antwort Botschaft 14.2.]

Auf das gef. Schreiben v. 14. v.Mts.

Ich bitte Euer Hochehrwürden, dem dortigen Vali Sabit Bey für seine mir durch Sie übermittelten Grüße, die ich bestens erwidere, sowie für sein den dortigen Anstalten erwiesenes Entgegenkommen meinen verbindlichsten Dank aussprechen zu wollen.

Euer Hochehrwürden dürfen überzeugt sein, daß ich Ihr Wirken mit dem gleichen Interesse verfolge wie meine Amtsvorgänger und daß ich gewillt bin, erforderlichen Falles bei der türkischen Regierung in dem von E. Hochehrwürden bezeichnetem Sinne zu vermitteln.

Für gelegentliche weitere Berichte über die Entwickelung der dortigen Verhältnisse, insbesondere der Armenierfrage, wäre ich Euer Hochehrwürden zu besonderem Danke verbunden.


Wolff-Metternich



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