1916-08-02-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R14092; BoKon173
Zentraljournal: 1916-A-20650
Botschaftsjournal: A53a/1916/2431
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Praesentatsdatum: 08/04/1916 p.m.
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Das Vorstands-Mitglied der SPD-Reichstagsfraktion Philipp Scheidemann an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg), Scheidemann

Schreiben




Berlin, den 2. August 1916

Excellenz!

In der Budgetkommission des Reichstags ist wiederholt über die armenischen Greuel verhandelt worden, ohne dass seitens der Herren Regierungsvertreter befriedigende Erklärungen abgegeben worden sind.

Neuerdings hat Herr Dr. Niepage empörende Einzelheiten über Greuel, die an den Armeniern verübt werden, gemacht.

Deutschland hat das grösste Interesse daran, alles zu tun, was geschehen kann, um der Entente die Möglichkeit zu erschweren, das Deutsche Reich als den Bundesgenossen der Türkei mit verantwortlich zu machen für Handlungen, die in der Tat zum Himmel schreien.

Eure Excellenz bitten wir deshalb um gefällige Auskunft, ob die Verbündeten Regierungen bei der Türkei neuerdings vorstellig geworden sind, um die Einstellung der Metzeleien zu sichern, oder aber, falls das nicht geschehen sein sollte, was die Verbündeten Regierungen zu tun gedenken, um die türkische Regierung zu bestimmen, den Schlächtereien ein Ende zu bereiten.


Mit vorzüglicher Hochachtung

Der Vorstand der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion

Scheidemann

[Auswärtiges Amt an Botschaft Konstantinopel (Nr. 819) 11.8.]


Im Anschluß an Erlaß Nr. 783 vom 4. d. Mts. abschriftlich Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter Herrn Grafen Wolff-Metternich Constantinopel zur gefälligen Information ergebenst übersandt.


[Antwort Bethmann Hollweg an Scheidemann 9.8.]

Ew. pp. darf ich den Empfang des gfl. Schreibens vom 2. d.Mts., betr. die Armenierfrage, dankend bestätigen.

Die Kaiserliche Regierung hat der Frage der Umsiedlung der armenischen Bevölkerungselemente in der Türkei von Anfang an besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Sie wird über die Entwickelung dieser Frage durch ihre Vertreter in der Türkei fortlaufend eingehend unterrichtet und hat ihren Einfluss bei der türkischen Regierung bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit allem Nachdruck zu Gunsten der Armenier geltend gemacht. Die Kais. Regierung wird auch fernerhin bei der türkischen Regierung für eine mildere Behandlung des armenischen Volksstammes nach Kräften eintreten.



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