1915-08-27-DE-013
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon/170
Botschaftsjournal: A53a/1915/5259
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Genozid 1915/16
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: J. No. Geh 407
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Konsul in Trapezunt (Bergfeld) an den Reichskanzler (Bethmann Hollweg)

Telegraphischer Bericht



J. No. Geh 407

Trapezunt, den 27. August 1915

Im Anschluß an Bericht vom 25. Juli.

Abschrift für die Kaiserliche Botschaft in Constantinopel

Bei der allgemeinen Deportation der Armenier aus Trapezunt blieben einzelne von ihnen mit der mündlichen oder schriftlichen Genehmigung des Vali hier. Es handelt sich um die Beamten der Ottoman. Bank, der Tabakregie, zwei Frauen von Beamten und einige alleinstehende Frauen. Diese werden nun Nachts abgeschoben und anscheinend unmittelbar vor der Stadt ermordet. Der Vali von Trapezunt ist wohl Mitglied des jungtürk. Comitees, aber er bemühte sich seine Unabhängigkeit zu wahren und er war bestrebt die Maßnahmen gegen die Armenier nach Möglichkeit abzuschwächen. Auf seinen Einfluss dürfte die inzwischen erfolgte Abberufung des hies. Inspektors und Führers des Komitees Nai Bey zurückzuführen sein. Leider findet er bei seinen Beamten und den Polizeiorganen keinerlei Unterstützung. Sie bereichern sich mit geringer Ausnahme bei der Räumung der armenischen Häuser auf das schamloseste. So hat der Wali gegen die Verbrecher an armenischem Leben und Eigentum nicht aufkommen können. Andererseits müßte es seiner Natur widersprechen, machtloser Zuschauer der von ihm gemissbilligten Uebeltaten zu bleiben. Hierauf dürfte es zurückzuführen sein, dass er das Feld geräumt und sich unter einem unbedeutenden Vorwand auf etwa drei Wochen ins Innere begeben hat.

Die geschilderten Vorkommnisse sind nicht nur im Hinblick auf das deutsche und das türk. Ansehen, sowie aus allgemein menschlichen Gründen bedauerlich, sie bieten auch die Gefahr, dass die Komiteeleute an einer derartigen mühelosen Bereicherung Gefallen finden und im gegebenen Moment gegen die griechische Bevölkerung in derselben Weise vorgehen, falls jetzt keine Bestrafung erfolgt. Diese ist nur durch die Errichtung eines Kriegsgerichts in Trapezunt zur Untersuchung und Aburteilung der Angelegenheit möglich. Indessen wird die Stellung der Richter nicht leicht sein. Sie werden nicht nur Versuch einer Bestechung aus der armenischen Beute ausgesetzt sein, sondern laufen auch Gefahr, durch ein Vorgehen gegen die Komiteeleute ihre Zukunft zu kompromittieren.

Ich habe der Kais. Botschaft in Constantinopel telegraphischen Bericht erstattet, und Abschrift dieses Berichts eingereicht.


[Bergfeld]


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