1915-11-03-DE-006
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 97/Bl. 191-191
Botschaftsjournal: 10-12/1915/9811
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Bagdadbahn-Ingenieur der Anatolischen Eisenbahn Heinrich Janson an die Botschaft Konstantinopel

Schreiben



Betrifft: B.Nr. 6956.

Gesuch um Schutz seiner Schwiegereltern vor der Ausweisung. Vorgelegt von dem Werkmeister der Anatolischen Eisenbahnen Heinrich Jansson wohnhaft zu Konia mit Benutzung des Dienstweges, den bei evtl. Antwort der Unterzeichnete ebenfalls zu benutzen bittet.


Konia, 3. XI. 1915.

Ich, Heinrich Janson, gehorsamst Endesunterzeichneter erlaube mir durch vorliegendes Schreiben nochmals mein Anliegen behufs Schutzes meiner Schwiegereltern - Armenier - vor der Ausweisung vorzubringen. Ich gestatte mir hierbei auf das Schreiben der hohen Kaiserlichen Deutschen Botschaft unter B. Nr. 6956 vom 13. September 1915 zurückzukommen, in welchem die Unterstützung meiner Angelegenheit von der standesamtlichen Beurkundung meiner Ehe abhängig gemacht wurde.

Diese Bedingung ist inzwischen erfüllt worden und ist meine Eheschließung amtlich vollzogen und eingetragen worden auf Blatt 1 in Band VI des vorhandenen Registers auf dem Kaiserlich Deutschen Generalkonsulat in Pera, woselbst ich auch immatrikuliert bin unter No. 2156.

Ich bitte deshalb nochmals ganz gehorsamst um die Vermittlung der Kaiserlichen Deutschen Botschaft um meine Schwiegereltern Agop Garabedian 56 Jahre alt und Kaufmann aus Eski-Chéhir, zur Zeit wohnhaft in Konia bei dem Unterzeichneten und Katarina Garabedian 40 Jahre alt gewerblos daselbst sowie deren Tochter Isabella Garabedian 13 Jahre alt daselbst wieder auf rechtskräftigem Wege nach ihrem Wohnsitz Eski-Chéhir zurückzuführen zu können und somit wieder in den Genuss ihrer Eigentümer, Häuser, Mobel, Ländereien u.s.w. eingesetzt werden.

Ich glaube keine Fehlbitte zu tun in Anbetracht dessen, dass nicht allein für meine Schwiegereltern sondern auch für mich und meine Frau alles auf dem Spiele steht und gebe mich der angenehmen Hoffnung hin, dass es dem Einflusse der hohen Kaiserlich Deutschen Botschaft möglich ist die Eltern einer deutschen Untertanin von einer Massregel zu befreien an deren Notwendigkeit dieselben nicht im geringsten Schuld sind.

Ich erlaube mir eine solche hohe Intervention zu erbitten, obwohl bereits die Direktion der anatolischen Eisenbahnen den Schutz ausgeführt hat, da ich befürchte dass man meinen Schwiegereltern als reichen Armenier - besser gesagt: bemittelt - seitens der Lokalbehörden in Eski-Chéhir die grössten Schwierigkeiten machen wird, zumal da bereits die Commission für diese Angelegenheit 2 grosse Häuser meiner Schwiegereltern als ihre Arbeitsräume mit Beschlag belegt haben und die Lokalverwaltung 3 weitere grössere Häuser zu einer Schule umzuwandeln beabsichtigt. Da jedoch auch die Kaiserlich. Königliche Oesterreichisch. Ungarische Botschaft sowie die Kaiserlich Ottomanische Botschaft in Wien auf Veranlassung der dortigen Firma Bäumel deren stark engagierter Vertreter mein Schwiegervater ist, intervenieren, hoffe ich bei tatkräftiger Unterstützung mein Ziel erreichen zu können und schliesse mit der gehorsamen Bitte mir diese gewähren zu wollen.


Heinrich Janson.
[Antwort Botschaft 19.11]

Auf ihre Eingabe vom 3. d.Mts. erwidere ich Ihnen ergebenst, daß zu meinem Bedauern die Pforte es abgelehnt hat, auf Ihr diesseits empfohlenes Gesuch einzugehen.



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