1917-06-04-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon/174
Botschaftsjournal: A4a/1917/1651
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 554
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Das Auswärtige Amt an die Botschaft Konstantinopel

Telegraphischer Erlaß



Nr. 554
nr. 554- funkspruch eiffelturm meldet am 27. 5. ein nauener funkspruch vom mai 1917 erklaert wieder einmal die ueber die armenischen gemetzel verbreiteten anklagen fuer luegenhaft. der funkspruch huetet sich. die autentischen dokumente. die meist aus deutschen quellen stammen und wodurch die gemetzel einwandsfrei erwiesen sind zu bestreiten und beschraenkt sich darauf, den schweden pravitz zu verteidigen, die deutsche ableugnungen koennen keinen menschen ueberzeugen. durch vermittlung einer neutralen gesellschaft, des schweizer hilfsausschusses fuer armenien in basel ist ein neuer beweis erbracht worden. sie veroeffentlicht folgende erklaerung: die wolffsche agentur veroeffentlich ein telegramm, enthaltend die zeugenaussagen zweier skandinavischer offiziere, welche die behaupteten tuerkischen greuel in armenien anfechten. sie basieren ihre argumente auf beobachtungen, die sie 1915 gemacht haben. der schweizer hilfsausschuss fuer armenien besitzt eine betraechtliche anzahl belege die sich auf die ereignisse von 1915 bis zum fruehjahr 1917 beziehen, die die vorgekommenen greueltaten im vollsten umfange bestaetigen, die armenische bevoelkerung ist meist gaenzlich ausgerottet, die maenner sind getoetet worden, die frauen und kinder wurden auf inseln getrieben, wo sie hungers starben. dieses schicksal erlitten nicht nur die armenier, die sich mit waffen verteidigten, sondern auch 100000 farmer und handwerker die gewiss nie daran dachten irgend jemandem irgend welchen widerstand entgegenzusetzen = radowitz

[Notiz Mordtmann 6.6.]

Dies Telegramm gibt die Fortsetzung des Tel. No. 501 des A.A, (diess. J.No. 1521) 1;

Ich möchte mich den Bemerkungen des H. von Hoesch zu letzterem vollinhaltlich anschließen. Wir können die schwer belastenden Augenzeugen von Niepage und Genossen weder durch die Pravitz’schen Berichte entkräften, noch auch durch Dementis, wie die des türk. Gesandten in Bern oder gar durch ein Strafverfahren, wie Djemal Pascha es s.Z. wollte, aus der Welt schaffen.

M.u.E. müssen wir es den Türken überlassen sich weis zu waschen und uns darauf beschränken die aus Anlas der Armenierverfolgungen gegen deutsche Beamten und Offiziere ausgestreuten Verleumdungen zurückzuweisen, sowie eventuell, aber auch nur eventuell, in den Fällen, wo wir übertriebene oder erfundene Berichte der feindlichen Presse durch einwandfreie Zeugnisse berichtigen können, das Sachverhältnis festzustellen.

Die Aufnahme der Polemik über die Armeniergreuel durch die Nauenpresse hat nun zur Folge gehabt, daß auch die Schweizer Vereinigungen gegen uns ins Feld geführt werden, die über weiteres deutsches Material verfügen und dies Material demnächst noch durch das Material vermehren werden, das die jetzt aus der Türkei nach der Schweiz u. dem feindlichen Auslande zurückkehrenden Amerikaner liefern.



1Siehe Dokument 1917-05-21-DE-001.



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