1915-09-30-DE-006
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 97/Bl. 104-105
Botschaftsjournal: 10-12/1915/8573
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Vizekonsul in Samsun (Kuckhoff) an die Botschaft Konstantinopel.

Bericht


Samsun, den 30. September 1915.

No. 381

Auf den Erlass vom 3. d.M. B. Nr. 7030 und einliegende Eingabe aus Genf v. 27. v.M.

2 Anlagen

Ueber den Verbleib des Murad Kherian ist nichts zu erfahren. Seine weiblichen Familienangehörigen sollen in der Gegend von Malatia sein. Ob sie in türkischen Harems untergebracht wurden oder nicht ist vorläufig unbestimmbar.

Aus anliegendem Briefe des persischen Staatsangehörigen Balekdjian - der sich mit der Tochter des Kherian verloben wollte - geht hervor, dass der Schwiegervater des letzteren , N. Ipekian, zum Islam übertrat und deshalb in Schehir bezw. Scharkischla bei Siwas verbleiben durfte. Die überwiesenen 2000 Fr. sind, wie aus dem einliegenden Schrift- und Telegrammwechsel - deren Urschrift ich überprüfe - hervorgeht, für Ipekian bestimmt. Dieses Geld kann durch meine Vermittlung dem Balekdjian, der die Weiterleitung nach Scharkischla besorgen würde, ausgezahlt werden.

Balekdjian hat - als verliebter junger Mann - alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Aufenthalt seiner zukünftigen Braut auszukundschaften, wobei ihm der hiesige persische Konsul behülflich war. Dieser drahtete an verschiedene Gouverneure im Innern - selbstverständlich ohne Ergebnis.

Soviel mir bekannt, wurde die Hauseinrichtung des M. Kherian, wie jene aller nicht zum Islam übergetretenen Armenier öffentlich verkauft; die Warenbestände K’s blieben einstweilen unberührt.

Einliegender Brief [nicht bei den Akten] des Balekdjian ist für den einzigen Sohn des verschollenen Murad Kherian in Genf bestimmt. Da die türkische Post solche Mitteilungen unterschlägt, ersuche ich höflichst, das Schreiben in geeigneter Weise dem jedenfalls äusserst besorgten Empfänger zustellen zu wollen. Beifolgend befindet sich eine Antwort an das Kaiserliche Generalkonsulat die ebenfalls Kherian betrifft; ich bitte höflichst um deren Kenntnisnahme.


[Botschaft Konstantinopel an die Firma Société de Transport Internationaux 13.10]


Auf die gef. Schreiben vom 21. u. 27. August d. Js.

Der Ksl. Vizekonsul in Samsun meldet d. Ksl Botschaft Folgendes:


Hiernach ersuche ich Sie erg. den anliegenden Brief dem Herrn G. Kherian aushändigen zu wollen und ihn zu befragen, ob er mit der von dem Ksl. Vizekonsul in Samsun vorgeschlagenen Aushändigung der frs. 2000 an Balekdjian zur Uebermittelung an N. Ipekian einverstanden ist u. verneinenden Falles, was sonst mit dem Gelde geschehen soll.

Einer bezüglichen Mitteilung des Ergebnisses werde ich s. Zt. entgegennehmen.


[Neurath]
[Botschaft Konstantinopel an deutsches Konsulat in Genf 13.11]

Dem Ksl. Konsulat übersende ich in der Anlage ein an die dortige Firma Société de Transports Internationaux Anct. Charles Fischer gerichtetes offenes Schreiben nebst Anlage mit der Bitte erg., dasselbe der Adressantin gf. zustellen lassen zu wollen.



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