1913-09-06-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/R 14081
Zentraljournal: 1913-A-18187
Botschaftsjournal: A53a/1913/1846
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 09/06/1913 08:40 PM
Telegramm-Ankunft: 09/07/1913 09:10 AM
Praesentatsdatum: 09/07/1913 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 510
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Botschafter in Konstantinopel (Wangenheim) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


Therapia, den 6. September 1913
Unter Bezugnahme auf Erlaß Nr. 8391 und im Anschluß an Telegramm Nr. 494.2

Nach hiesiger Beurteilung der Verhältnisse dürfte auf die russische Anregung zu antworten sein, dass wir selbst an Besserung der Lage der Armenier lebhaftes Interesse nähmen und uns demgemäss viele Punkte des russischen Programms zu eigen gemacht hätten. Wir bezweifelten aber, dass gerade über die Punkte, auf welche Russland den Hauptwert lege, und über die Mittel zu ihrer Durchführung sich eine Einigkeit unter den Mächten erzielen lassen werde. Bestimmt wüssten wir, dass gerade diese Punkte von der Pforte abgelehnt werden würden. Unter diesen Umständen erscheine es uns natürlich praktischer, die Pforte zur Durchführung der von ihr geplanten Reformen unter Ratschlägen, die sich auf das russische Programm stützen könnten, anzuhalten, gleichzeitig aber die Einrichtung einer europäischen Kontrolle zu verlangen. Wir hätten Grund anzunehmen, dass die Pforte sich einer Kontrolle nicht widersetzen werde. Auf ein derart reduziertes Programm, das später verbessert werden könne, würden sich die Mächte leicht einigen, während sonst die Sache im Sande verlaufen könnte.


[Wangenheim]
[Notiz Auswärtiges Amt]

Die russischen Spezialvorschläge befürworten:

1. Einteilung Armeniens in 2 Sektoren;

2. Einsetzung von 2 zur Beamtenernennung befugten Generalgouverneuren durch die Pforte mit Zustimmung der Mächte;

3. Reinhaltung der armenischen Sektoren von mohamedanischen Gebieten.

In dem von Baron Wangenheim angezogenen Tel. Nr. 494 wird zu Punkt 2 bemerkt, dieser Vorschlag bedeute einen so starken Eingriff in die türkische Souveränität, daß weder auf Einigkeit der Mächte noch auf Zustimmung der Pforte zu rechnen sei. Eine Äußerung zu Punkt 1 und 3 des russischen Vorschlags enthält Tel. 494 nicht. Der Großwesir soll nach diesem Tel.zwar eine Veränderung der Zoneneinteilung als unannehmbar bezeichnet haben, Baron Wangenheim aber scheint anderer Meinung zu sein. Denn nach Bericht Nr. 2623 betrachtet er die Einteilung Armeniens in 2 Sektoren offenbar nicht nur als annehmbar, sondern sogar als Konzession, die einer Gegenleistung der türkenfreundlichen Mächte wert ist.

Eine Rückfrage in Pera erscheint hiernach unerläßlich, zumal da wir nicht wissen, wieweit die Besprechungen unseres Botschafters mit seinem russischen Kollegen (Bericht Nr. 262) gediehen sind.


[Jagow an Wangenheim 7.9. (No. 308]

In Tel. No. 510 vermisse ich sachliche Äußerung zu pp mit Erlaß No. 834 mitgetheilten russischen Spezialvorschlägen. Bitte gleichzeitig Drahtbericht, wie weit Ihre in Bericht Nr. 262 erwähnten Verhandlungen mit russischem Botschafter zu Verständigung geführt haben.

1 Dok. 1913-09-06-DE-001.

2 Dok. 1913-08-30-DE-002.

3 Dok. 1913-08-27-DE-001.



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