1916-09-09-DE-003
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 101/Bl. 140-144
Botschaftsjournal: 10-12/1916/II 8596
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Verein vom Roten Kreuz in Frankfurt/Main an die deutsche Botschaft Konstantinopel

Schreiben



[II 7519]

Frankfrut a.M., den 14. September 1916.

T.Nr.Him/5365

Wir gestatten uns hierdurch die ergebene Bitte auszusprechen, uns, falls irgend angängig, Nachricht über den Verbleib und das Befinden nachstehend angeführter Personen aus Eski Schehir zukommen zu lassen, welche sich sämtlich im Februar d.J. in Aleppo befunden haben sollen:


Einem Bescheid in der Sache sehen wir gerne entgegen und sagen schon im voraus verbindlichsten Dank dafür.

Mit vorzüglicher Hochachtung
[Unterschrift]
[Notiz Botschaft (Schmidt) 27.9]

1) Herrn Döring, Leiter der deutschen Eisenbahnschule in Eskischehir.

1 Anlage (Abschrift des Eingangs) (Brief ist der Anatolischen Eisenbahn mit Bitte um Beförderung zu übersenden.

2) Abschrift des Eingangs ist dem K. Konsulat in Aleppo zum Bericht und mit dem Bemerken zu übersenden, daß eine entsprechende Anfrage an Herrn Schulleiter Döhring in Eskischehir gerichtet worden ist.

3) Wvl [Wiedervorlage] nach 2 Monaten ev.


[Botschaft an den Leiter der Eisenbahnschule in Eskischehir (Döhring) 29.9.]


Ew. pp. übersende ich in der Anlage ergebenst Abschrift einer Anfrage des Vereins vom Roten Kreuz in Frankfrut a.M. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie über den Verbleib der darin genannten Personen Nachforschungen anstellen und mir deren Ergebnis mitteilen wollten. Eine entsprechende Anfrage wird von hier aus an das K. Konsulat in Aleppo gerichtet.

i.V. N[eurath]
[Notiz Mordtmann 16.10]

[zu II 7942]

Hr. Referendar Voigt legte mir am 14. d.Mts. die Anlage vor. So viel mir erinnerlich hat der Frankfrurter Verein vom Roten Kreuz (Ausschuß für Deutsche Kriegsgefangene - Ausländer-Abteilung) für ähnliche Nachforschungen wiederholt die Kais. Botschaft in Anspruch genommen. Die Korrespondenzen hierüber dürften in B stecken.

Bitte um Beifügung der betr. Piecen.


[Notiz Botschaft 16.10]

Eine solche Anfrage v. 14/9 betr. Nachforschungen nach Familie Tschigirganian, unsere J.No. II 7519, befindet sich bei Herrn Schmidt.

[Notiz Mordtmann 17.10]

eine andere Anfrage von mir bearbeitet 6085/16, 6150/16.

Herr Ref. Voigt geantwortet am 17.10.

[Notiz Schmidt 19.10.]

Herrn G.K. Mordtmann

unter Beifügung von 7519 ergebenst zurückgesandt. Würden Sie der Einheitlichkeit halber vielleicht die Weiterverfolgung der Nr. 7519 übernehmen?


[Notiz Mordtmann]

Ja!


[Der Leiter der Eisenbahnschule in Eskischehir (Döhring) an die Botschaft Konstantinopel]

[II 8596]

Erki-Chéhir, le 9. November 1916.

Nr. 2413.

Erst heute ist es mir möglich, der Kaiserlich Deutschen Botschaft auf das gefällige Schreiben II 7519 v. 29/9. zu antworten. Gern bin ich der Aufforderung nachgekommen, über den Verbleib und das Befinden der in der Anlage aufgeführten Personen Nachforschungen anzustellen. Leider ist das Ergebnis recht mager. Am Orte selbst machte ich eine Schwester des vertriebenen Familienvaters ausfindig, die auch nur angeben konnte, dass sich die Gesuchten zuletzt in Aleppo befanden. Seither ist auch sie ohne jedes Lebenszeichen von ihnen. Sie gibt an, der älteste Sohn, Agopdjian, 28 Jahre alt, sei gestorben, während sich ein anderer Sohn, Arsen Effendi Garabedian, als Kaufmann in Wien aufhält.

Um genaueres über den Verbleib obiger Familie zu erfahren, wandte ich mich an einen seit drei Jahren in Aleppo stationierten armenischen Bahnbeamten, der längere Zeit bei fraglicher Familie in Eski-Schehir gewohnt hat und sicherlich mit ihr dort zusammengetroffen ist. Bis heute steht dessen Antwort leider noch aus. Falls ich von diesem Herrn, der wohl nach Sachlage am besten geeignet sein dürfte, irgendeine zuverlässige Auskunft zu geben, Bescheid erhalte, werde ich mich beehren, der Kaiserlich Deutschen Botschaft umgehend Bericht zu erstatten.

In vorzüglichster Hochachtung

ganz ergebenst
H. Döhring
Nachtrag:

Soeben geht mir noch folgende Mitteilung hierüber zu: nach einem vor 7 - 8 Monaten hier eingetroffenen Briefe der Frau Husni Tchighirganian seien die 4 übrigen Mitglieder der Familie, Vater, Mutter, ihr Mann Agopdjian und der jüngste Sohn Michael gestorben. Die Adresse dieser Frau lautet: Madama Vve. Husni Tchighirganian - Eglise Catholique - Sandjak Deyr-Zor.

Die Familie des oben erwähnten Wiener Kaufmann Arsen Tchighirganian wohnt zur Zeit in Soultanié im Vilayet Konia.

Ein weiteres Mitglied dieser Familie, Stépan Tchighirganian, tut Militärdienst in der türkischen Armee.


[Botschaft an Frankfurter Verein vom Roten Kreuz 16.11.]


auf Schreiben vom 14.9. d.Js. Him/5365 Z.B.

Nach einem vor 7 - 8 Monaten in Eski-Schehir eingetroffenen Briefe der Frau Husni Tchigirganian sind die übrigen Mitglieder der Familie - Vater, Mutter, Agopdjian und Michael - gestorben; als Adresse dieser Frau wird angegeben: Mme Vve Husni Tschighirganian in Deir-Zor Eglise Catholique.


[Göppert]

[Botschaft an den Leiter der deutschen Eisenbahnschule Eskischehir (H. Döring) 16.11.]


Ihr Schreiben vom 9. ds Mts No 2413 ist richtig in meine Hände gelangt und ich danke Ihnen ergebenst für die darin enthaltenen Angaben.

G[öppert]


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