1915-11-28-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 98/Bl. 32
Botschaftsjournal: 10-12/1915/10627
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Vizekonsul in Rodosto (Ziemke) an den Generalkonsul in Konstantinopel (Mertens)

Bericht


Rodosto, den 28. November I 1915

J.N.208

Im Anschluss an den Bericht vom 16. d.M. N 189

Der hier neuernannte Mutessarif Vasfi Bey, ein im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem jetzigen Vali von Adrianopel, moderner Türke, scheint sich zu bemühen, die Gegensätze unter den verschiedenen Bevölkerungen auszugleichen. Die armenischen Ausweisungen haben gänzlich aufgehört, und andererseits zeigt er sich bestrebt, die im Verwaltungswege nach hier und in die Umgebung transportierten Bevölkerungsmassen nunmehr dauern unterzubringen. Es handelt sich dabei um die aus den an Bulgarien abgetretenen Gebietsteilen stammenden türkischen Mohadjirs sowie um die aus der Kriegszone und den Grenzgebieten vertriebenen Griechen, deren größter Teil noch ohne Obdach und Unterkommen ist. Ihre Zahl lässt sich schwer schätzen, doch erklärte mir der Mutessarif beispielsweise, dass er in Rodosto nur 700 den ausgewiesenen Armeniern gehörige Häuser zur Verfügung habe, während er gegen 3000 gebrauche. Der Mutessarif bemerkte dabei vertraulich, dass zur Zeit allgemeine Massregeln gegen die griechische Bevölkerung nicht beabsichtigt seien, er vielmehr Anweisung habe, den Griechen möglichst entgegenzukommen.


Dr. Ziemke.
[Notiz [Generalkonsul] Mertens 2.12.]

Der Kaiserlichen Botschaft zur gefälligen Kenntnisnahme ergebenst übersandt



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