1916-05-13-DE-004
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 100/Bl. 100-108
Botschaftsjournal: 10-12/1916/II 5370
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Konsul in Aleppo (Rößler) an die Botschaft Konstantinopel

Bericht



[II 5361]

Nr. 1341.


Aleppo, den 13. Mai 1916.

Der Kaiserlichen Botschaft überreiche ich gehorsamst in der Anlage mit dem Anheimstellen der Aushändigung an den Adressaten einen Brief der hiesigen Oberin der armenisch-katholischen Ordensschwestern an den Locum Tenens des armenisch-katholischen Patriarchats in Konstantinopel, in welchem sie ihn bittet, für 4 hiesige Schwestern Erlaubnis zur Reise nach Konstantinopel zu erwirken.

[Notiz Mordtmann 29.5.]

Anlage an Haig Effendi geschlossen zur Übermittlung an den Adressaten übergeben.

[Obiger Text - mit ähnlicher Notiz Mordtmanns - ist von Rößler bereits am 29.4.1916 (s. Dok. 1916-04-29-DE-001) zugeschickt worden, von ihm jetzt aber wörtlich wiederholt worden]


[Aufzeichnung Mordtmann 4.4.]


[3856]

Die Supérieure Générale des Religieuses arm.[éno-] cath.[oliques] de l’Imm[aculée] Conception bittet den Verbleib und das Befinden :

1) der in Malatia (Mädchenschule) stationiert gewesenen Schwestern


(1 und 2 bei Hakimhanli Bakir Efendi Kaufmann; Loos der dritten, die ins Exil abgeschoben werden sollte unbekannt;

2) ihres Bruders Josef Melkhizedek [Melchisedechian], Erzbischof Erzerum, zuletzt mit seinen Verwandten nach Egin geschafft.[)]

3) der Effekten der von Erserum hierhergekommenen Schwestern

festzustellen.

Die zuletzt angeführten Sachen hatte s.Z. das Kais. Konsulat in Erzerum in Verwahrung genommen; es befanden sich darunter die Kirchengeräte der Schwestern.

zu 3) Im Dez. v.Js oder im Januar ds. Js. war auf Bitten der Patres an das Kslt. Erzerum telegraphiert worden, um die dort zurückgelassenen Sachen der Patres und der Ordensschwestern hierher zu schicken.

Bitte um diesen Vorgang bezw. um Nachricht, ob inzwischen über diese Sache hier etwas bekannt geworden ist.


[Botschaft an die Anatolische Eisenbahngesellschaft Konstantinopel 13.4.]

Mit Bezug auf mein Schreiben vom 9. Febr. d. Js. No. 1258 darf ich um eine gef. Rückäußerung erg. bitten, ob und evtl. in welcher Form der Bahnvorstand von Ulu Kischla die Weiterbeförderung von 8 Stück Effekten übernehmen könnte, welche das Kais. Konsulat von Erzerum über Ulukischla an die Kais. Botschaft abzusenden gedachte.

[Neurath]

[Botschaft an Pastor Ernst Christoffel in Malatia 13.4.]


Die hiesige Supérieure Générale des Religieuses arméno-catholiques de l’Immaculée Conception hat hier die Bitte vorgetragen Erkundigungen über das Loos der drei Ordensschwestern Apollonie (Ohanessian), Haginta (Taschdji Hazar) und Suzanne (Azarian) einzuziehen, welche früher an der dortigen Mädchenschule dieses Ordens wirkten; die beiden ersteren sollen sich bei einem dortigen Kaufmann Hekim Hanli Bakir Efendi befinden, der verbleib der dritten, die von dort ausgewiesen werden sollte, ist unbekannt geblieben.

Ferner hat die Genannte gebeten, über das Befinden ihres Bruders, des Bischofs Joseph Melkhizedek von Erzerum, der zuletzt mit seinen Verwandten nach Egin geschafft sei, Erkundigungen einzuziehen.

Falls Ew. Hochehrwürden in der Lage sind, die erbetenen Auskünfte zu beschaffen und Ihnen keine Ungelegenheiten daraus erwachsen, würde ich Ihnen dankbar sein, wenn Sie sich nach den vorbezeichneten Personen erkundigen und mir das Ergebnis mitteilen wollten.


N[eurath]


[Botschaft an das Konsulat Sivas 19.4]

Nr. 8 auf Tel. Nr. 10 vom 2. Febr. aus Erzerum.

8 Stück Gepäck der Brüder und Schwestern wird seitens Anatol. Bahn hierher weitergeleitet werden, wenn dasselbe adressiert an Generaldirektor Huguenin an Bahnhofvorstand in Ulu Kischla abgeliefert wird. Voraussichtliche Ankunft in Ulu Kischla drahten.


[Neurath]
[Konsulat Sivas an Botschaft]

nummer neunundvierzig. telegramm numero acht ganz verstuemmelt hier eingetroffen bitte dasselbe wiederholen zu lassen. werth

[Notiz Botschaft 21.4.]

am 21/4 wiederholt da Verstümmelung angek.

[4534]


[Konsulat Sivas an Botschaft Konstantinopel 22.4.]

No. 56 vom 21. April.

Unter Bezugnahme auf Telegramm No. 9 B 3865.

Das Gepäck der Brüder und Schwestern hat wegen Mangels an Wagen notgedrungener Weise in Erzerum zurückgelassen werden müssen¸ leider auch ein Teil der Konsulatssachen, [die] ich beim dortigen persischen Generalkonsul unterbringen müssen.

Durch die kriegerischen Ereignisse waren damals überhaupt keine Wagen aufzutreiben.


Werth

[Botschaft an die Oberin der armenisch-katholischen Schwestern in Pamaldi 26.4]


Mit Bezug auf Ihre kürzliche Anfrage wegen des Verbleibs der von den Mechitaristenbrüdern und den Schwestern Ihres Ordens in Erzerum zurückgelassenen Effekten teile ich Ihnen ergebenst mit daß in Folge Mangels an Beförderungsmitteln diese Effekten sowie auch ein Teil der dem Konsulate gehörigen Sachen in Erzerum haben zurückbleiben müssen, doch hat das Konsulat Vorsorge getroffen, um sie nach Möglichkeit vor feindlichen Zugriffen zu sichern.

N[eurath]

[II 5370]

[Ernst Christoffel an die Botschaft Konstantinopel 1.5.]

Auf Eurer Exzellenz Anfrage vom 13.4.B.N. 3865., gestatte ich mir folgende Angaben zu machen:

Zwei der fraglichen Ordensschwestern Apollonie & Haginta befinden sich in hiesiger Stadt, vollständig mittellos. Sie bitten dringend, dass man ihnen die Reiseerlaubnis nach Constantinopel oder wenigstens nach Aleppo erwirken möge. Bei ihnen befindet sich ein junger Diener, Benjamin Uluhodschajan, für den sie ebenfalls um Reiseerlaubnis bitten. Ein Alleinreisen wäre auch nicht anzuraten.

Die dritte Schwester, Susanne, ist seiner Zeit Richtung Urfa verschickt worden. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. In benachbarten Dörfern sollen sich noch zwei Ordensschwestern befinden. Jedoch konnte ich darüber nichts sicheres erfahren.

Ueber den Bischof Josef Melchisedek konnte ich nur so viel in Erfahrung bringen, dass er wohlbehalten in Egin ankam, was Eurer Exzellenz ja auch bekannt ist. Wenn ich genaueres erfahre, werde ich nicht versäumen, Eurer Exzellenz Nachricht zu geben, obgleich es bei den jetzigen Zeitläuften ungemein schwierig ist, Erkundigungen einzuziehen.

Gestatten Eure Exzellenz noch einige Bemerkungen betreffend unsere Blindenanstalt. Am Tage vor meiner Ankunft nahm man die Zöglinge gewaltsam aus der Anstalt fort, sandte sie in die Stadt & wies ihnen dort im ungesundesten Teil der Stadt ein Zimmer & einen Flur an. Unser Haus machte man zum Lazarett, obgleich in der Stadt eine Menge leerer Häuser sind, die sich für ein Lazarett so gut eignen wie das Unsere. Jede lokale Instanz, an die ich mich protestierend wandte, lehnte die Verantwortung ab. Auf Umwegen gelang es mir, wenigstens einen Teil des Hauses frei zu bekommen, in dem ich jetzt mit cr. 150 Pfleglingen, eng aneinandergedrängt, hause. Die Zahl der Pfleglinge aber vergrößert sich täglich. Der andere Teil des Hauses ist nach wie vor Lazarett, & zwar grossenteils für ansteckende Krankheiten.

Es wäre sehr wünschenswert, wenn man die Deutsche Unterstützungsarbeit nicht stören & hindern würde. So aber ist sie von grenzenloser Willkür abhängig, & selbst unsere eigene Sicherheit eine sehr problematische.


Ich bin Eurer Exzellenz sehr ergebener
Ernst J. Christoffel. Pfarrer.
[Notiz Mordtmann 31.5.]

Abschrift des ersten Teils dieses Briefes habe ich heute dem Msgr. Sayeghian behufs Übermittlung an die Superiorin der Sœur de l’Immaculée Conception übergeben;

Abschrift des zweiten Teils ist zu den Akten Christoffel (X 6) genommen worden.



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