1917-05-21-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14096; BoKon/174
Botschaftsjournal: A4a/1917/1521
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 501
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Das Auswärtige Amt an die Botschaft Konstantinopel

Telegraphischer Erlaß



[Wiedergabe einer Mitteilung des "Wolff's Telegraphisches Büro]

Nr. 501
Berlin, 16. Mai. Gegen die von der Entente verbreiteten Armenier-Greuel-Lügen wendet sich ein schwedischer Offizier H. Pravitz, der lange in den in Frage kommenden Gegenden gereist ist. Er schreibt in „Allehonda“: Ich wage die Behauptung, daß kaum irgend ein anderer Schwede Gelegenheit gehabt hat, so wie ich das Land der Armenier zu studieren. Unter anderem befand ich mich einen Monat bei armen Emigranten, und zwar gerade in dieser Zeit im Spätherbst 1915, als nach Angabe der beiden Verfasser die verübten Brutalitäten besonders schwer gewesen sein sollen. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß das, was ich hier nach eigenen Eindrücken schreibe, geeignet sein wird, den den Türken und Deutschen gemachten Vorwurf der Unmenschlichkeit und Barbarei zu widerlegen. In erster Linie muß ich feststellen, daß die Verschiebung der unzuverlässigen armenischen Elemente aus der nördlichen Zone der osmanischen Herrschaftsgebiete für die türkische Regierung eine zwingende Notwendigkeit war. Dagegen glaube ich, daß es eine direkte Wahnvorstellung ist, wenn jemand behauptet, daß die Armenier unter einem unausgesetzten Druck türkischer Grausamkeit gelebt haben. Niemals habe ich direkte türkische Übergriffe gegen die Armenier gesehen. Und ich muß auf Grund meiner Augenzeugenschaft absolut bestreiten, daß die regulären türkischen Gendarmerietruppen, die die Verschiebung überwachten, irgend welche Grausamkeiten begangen haben.

„funkspruch Lyon meldet am 19.5.17. deutschland. die armenischen greuel. der nauener funkspruch vom 16. mai protestiert gegen die von der entente verbreiteten falschmeldungen ueber die armenischen greuel. zum beweis fuehrt das zeugnis eines schwedischen offiziers. des majors pravitz an. nach dessen ansicht sich die tuerken nie gegen die rechte der armenier vergangen haetten. es genuegte wohl schon. den charakter dieses berichterstatters zu kennzeichnen. major pravitz welcher das gendarmeriekorps in schiras befehligte war der schwedische offizier. der im februar 1915 den belgischen zollbeamten von abades zwang. ihm 100000 ..... auszuliefern zur bezahlung seiner leuthe. sein ganzes verhalten war ausgesprochen deutschfreundlich und schuf den russischen und englischen behoerden in persien derartige schwierigkeiten dass sie bei der schwedischen regierung seine zurueckberufung verlangen mussten. dieser selbe major pravitz schickte dem diplomatischen englischen geschaeftstraeger am persischen golf ein drohend gehaltenes telegramm den deutschen konsulatsbeamten von bachire. den man soeben wegen waffenschmuggel festgenommen hatte. sofort auf freien fuss zu setzen. die unparteilichkeit dieses neutralen zeugen ist nicht ganz einwandfrei. seine mitteilungen beruhen auf einem irrtum. oder sind bewusste falschmeldungen. die ganze zivilisierte welt hat jetzt die sprechendsten beweise ueber die tuerkischen greuel in armenien. die unter dem protektorat des deutschen reiches begangen sind.

mindestens 500000 armenier sind massakriert worden. zahlreiches beweismaterial liegt vor. nauen wird nicht das zeugnis eines landsmannes. der zugleich augenzeuge war. zurueckweisen. der dr. martin niepage. hauptlehrer an der deutschen schule in aleppo. hat erschuettert ueber das was er gesehen hat. einen ganz erfolglosen aufruf an die deutschen behoerden geschrieben: „als ich im september 1915 von beirut nach aleppo kam. vernahm ich mit schrecken. dass eine neue zeit armenischer [massaker] begonnen hatte. viel schrecklicher als unter abdul–hamid. sie sollten das armenische volk tatsaechlich ausrotten. im ersten augenblick konnte ich es nicht glauben.“ aber er musste doch erkennen. dass die verhaeltnisse tatsaechlich so waren. “in den karawansereien fand ich die toten haufenweise und zwischen ihnen noch lebende die in den letzten zuegen lagen. anderwaerts traf ich massenweise auf kranke und halbverhungerte. um die sich niemand kuemmerte. auch ehrliche tuerken koennen nicht glauben. dass ihre regierung diese metzeleien angeordnet hat und halten die deutschen als die eigentlichen herren der tuerkei in dem jetzigen kriege dafuer verantwortlich. in den moscheen predigen die mullahs. dass die deutschen offiziere die ausrottung der armenier anordnen. die aussagen des dr. niepage wird durch bekundungen des schuldirektors huber. des direktors und hauptlehrers graeter und der frau spieker bestaetigt. der deutsche konsul von mossul nach erzählte in gegenwart des dr. niepage. dass er auf der fahrt von mossul nach aleppo so viel abgehauene haende gesehen habe. dass man damit die strasse haette pflastern koennen. der deutsche oberlehrer erklaert. dass die deutsche regierung die metzeleien nicht haette verhindern koennen. selbst wenn sie gewollt haette. die deutsche regierung hat sich aber in wirklichkeit durch die stillschweigende duldung mitschuldig gemacht. ein deutscher funkspruch genuegt nicht zur vertuschung der wahrheit“ = radowitz.


[Notiz Hoesch 22.5.]

G.A. Es war meiner Ansicht nach sehr unklug, das unhaltbare Zeugnis des schwedischen Offiziers in der Welt zu verbreiten und damit die Diskussion über die Armenierfrage, bei der die Türken und wir stets den Kürzeren ziehen müssen, neu zu beleben. Gegen Niepage’s Angaben können wir nicht ankämpfen.



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