1915-09-02-DE-006
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon 96/Bl. 135-139
Botschaftsjournal: 10-12/1915/7098
Erste Internetveröffentlichung: 2010 April
Edition: Deportationsbestimmungen
Telegramm-Abgang: 09/02/1915 02:00 PM
Telegramm-Ankunft: 09/03/1915 09:45 AM
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Der Konsul in Adana (Büge) an die Botschaft Konstantinopel

Telegraphischer Bericht



No. 18 vom 2.9.

Antwort auf Telegramm No. 29.

Wali hat zwar jetzt telegraphische Weisung erhalten die beiden Armenier nicht zu behelligen, erklärte aber, jetzt würde er erst recht beide fortschaffen weil sich eine fremde Botschaft unbefugt in türkische Angelegenheiten gemischt habe. Die Order des Ministeriums sei ihm vollkommen gleichgültig; er selbst habe allein die Macht über die hiesigen Armenier also auch über den im Reichsdienst stehenden Agabalian. Das Anrufen der Botschaft sei vollkommen wertlos und unterbliebe daher besser.

Angesichts dieses abermaligen deutschfeindlichen Verhaltens des Wali erbitte Instruktion und Schutz für beide Armenier.


[Büge]
[Deutsche Botschaft Konstantinopel an das osmanische Auswärtige Amt]

Note Verbale


Urgent!

Péra, le 3. Sepbembre 1915.

L’Ambassade Impérial d’Allemagne a l’honneur de porter à la connaissance du Ministère Impérial des Affaires Etrangères ce qui suit:

Les autorités du Vilajet d’Adana ayant dernièrement commencé à expulser les Arméniens domiciliés dans cette Province, l’Ambassade d’Allemagne avait fait des démarches auprès du Ministère Impérial de l’Intérieur afin de faire exempter de cette mesure le Sieur Sinanian, professeur à l’école allemande à Adana, ainsi que Mr. Simon Agabalian employé rétribué du Consulat d’Allemagne en la même ville.

Le Ministère de l’Intérieur ayant donné suite à cette demande, il avait transmis les instructions nécessaires au Vilajet d’Adana par télégramme du 18/31 août.

Or, d’après une dépêche du Consul d’Allemagne à Adana, le Vali aurait déclaré qu’il procéderait quand même à la déportation des deux personnes en question, attendu que « l’Ambassade n’aurait pas le droit de s’immiscer dans les affaires internes du Gouvernement Ottoman ».

L’Ambassade d’Allemagne prie le Ministère Impérial des Affaires Etrangères de vouloir bien communiquer la présente au Ministère de l’Intérieur afin que ce dernier prenne les mesures qu’il jugera à propos pour faire respecter ses ordres.

En même temps le Gouvernement Impérial Ottoman jugera peut-être opportun de faire remarquer au Gouvernement Général d’Adana que la critique peu courtoise qu’il a crû pouvoir exercer par rapport à cette Ambassade est déplacée, vu que l’Ambassade en intercédant dans cette affaire auprès du Gouvernement Impérial a usé d’un droit qui d’après les règles universellement reconnus appartient à tout représentant diplomatique.


[Eigene Übersetzung]

Die Kaiserlich-Deutsche Botschaft gibt sich die Ehre, dem Kaiserlich [Osmanischen] Außenministerium Folgendes zur Kenntnis zu geben:

Nachdem die Behörden des Vilajets Adana in letzter Zeit angefangen haben, die in dieser Provinz lebenden Armenier auszuweisen, hat sich die Botschaft Deutschlands beim Innenministerium dafür eingesetzt, von diesen Maßnahmen die in der gleichen Stadt lebenden Herren Sinanian, Lehrer an der deutschen Schule in Adana sowie den vom Konsulat Deutschlands besoldeten Simon Agabalian auszunehmen.

Das Innenministerium hat diesen Bitten stattgegeben und die notwendigen Instruktionen per Telegramm vom 18/31 August an das Vilajet Adana erteilt.

Nach einer Depesche des deutschen Konsuls in Adana jedoch hätte der Vali erklärt, er würde trotzdem die Deportation der beiden fraglichen Personen durchführen lassen, denn „die Botschaft habe nicht das Recht, sich in die inneren Angelegenheiten des osmanischen Regierung einzumischen“.

Die Botschaft Deutschlands bittet das [Osmanische] Kaiserliche Ministerium des Äußeren diese Note an das Innenministerium weiterzuleiten, damit es die angemessenen Maßnahmen ergreift, um die Durchführung seiner Befehle zu sichern.

Gleichzeitig wird es die Kaiserlich [Osmanische] Regierung vielleicht für angemessen halten, dem Generalgouvernement von Adana gegenüber klar zu machen, daß die wenig höfliche Kritik, die es gegenüber dieser Botschaft glaubte ausüben zu müssen, deplaziert ist angesichts der Tatsache, daß die Botschaft bei ihrer Vermittlung in dieser Affäre nur von einem Recht Gebrauch gemacht hat, das nach den internationalen Regeln anerkannt ist und allen diplomatischen Vertretern zusteht.


[Botschaft an Konsulat Adana (Nr. 32)]

Antwort auf Tel. Nr. 18.

Sie wollen Agabalian nur bei Anwendung von Gewalt ausliefern, in diesem Falle schriftlich gegen Vorgehen der Behörden Verwahrung einlegen, und Verkehr mit Vilajet einstellen. Eventuelle Vorgänge drahten.


[Notiz Mordtmann]

Angelegenheit Agabalian

Ich habe heute auf dem Ministerium des Innern das Tel. des Valis von Adana vom 20/8 v. Mts = 2. September eingesehen; es heißt darin:

Sinanian sei bei der Polizei sehr schlecht angeschrieben, täglich würde er vom Konsul und den Bahningenieuren gelangweilt [Wortlaut des osmanischen Textes in lateinischen Buchstaben] er werde daher gegen ihn vorgehen und ebenso gegen Agabalian.

Aziz bej meinte, unter diesen Umständen würde man gegen Sinanians Ausweisung keine Einwände erheben können, aber er würde dem Minister empfehlen par courtoisie [aus Höflichkeit] auf Agabalians Verbleiben zu dringen.

Talaat hatte auf die obige Antwort des Valis eigenhändig geschrieben:



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