1915-07-12-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/BoKon/169
Botschaftsjournal: A53a/1915/3967
Erste Internetveröffentlichung: 2003 April
Edition: Genozid 1915/16
Zustand: A
Letzte Änderung: 03/23/2012


Zwei Armenierinnen an die Frau des deutschen Botschafters in Konstantinopel

Eingabe



Pera, den ...ten Juni 1915 1

Ihre Excellenz Botschafterin Freifrau von Wangenheim,

Wir, die Untergeschriebenen, haben die Ehre Ihrer Excellenz anzuflehen um die Güte zu haben uns einige Minuten für Unterredung zu gewähren, um Ihrer Excellenz den Zweck Unseres Verfahrens zu erklären.

In der Hoffnung mit der Ehre begünstigt zu sein von Ihrer Excellenz angenommen zu werden, wir bitten Sie, Gnädige Frau Botschafterin, die Versicherung unserer ehrerbietigen Hochachtungen zu genehmigen.


A. Dagavarian


[Aufzeichnung Mordtmann 12.7.]

Mit Einverständnis des Herrn Botschaftsrats habe ich heute die armenischen Damen empfangen u. beschieden, die kürzlich um Gehör bei Ihrer Exzellenz gebeten hatten. Es waren dies:

Frau Dr. Daghavarian und Frau Zartarian, die im Namen der Frauen u. Angehörigen folgender Armenier um den Schutz der kais. Botschaft baten:

1. Dr. Daghavarian, Exdeputierter für Siwas, und Inspektor der Stadtpräfektur;

2. Vartkes E., Exdeputierter von Erzerum;

3. Zartarian, Chefredaktör des Azadamart;

4. Serkis Minahsian, Lehrer und Publizist;

5. Djihangirian, Mitglied des Laienkonzils des Patriarchats;

6. Hajak, Lehrer, russischer Untertan;

7. Dr. Agnuni, desgl. russ. Armenier.

Diese sind schon vor Wochen teils von hier, teils von Ajasch nach Diarbekir geschafft worden, um vom dortigen Kriegsgericht abgeurteilt zu werden; man ist ohne nähere Nachrichten von ihnen.

Ich eröffnete den Erschienenen

1. daß Ihre Exzellenz lebhaften Anteil an den Sorgen u. an dem Kummer nimmt, der über die Familien dieser Männer gekommen ist;

2. daß eine offizielle Verwendung für die Genannten ausgeschlossen ist;

3. daß die kais. Botschaft lebhaft wünscht, daß das Kriegsgericht kein Todesurteil fällen wird bezw. ein solches Urteil nicht vollstreckt werden wird;

4. daß ich sicher zu sein glaubte, daß diese unsre Ansicht der Pforte bekannt sei, und daß ich hoffte, daß die Pforte darauf Rücksicht nehmen würde.

Gleichfalls am heutigen Tage habe ich Aziz bej, dem Adlatus von Djanbulad bej (letzterer war nicht auf seinem Büro) Vorstehendes beiläufig erzählt u. ihn gefragt, ob die Angehörigen der vorgenannten Armenier - selbstredend unter den üblichen Beschränkungen - mit diesen telegraphisch oder brieflich korrespondieren dürfen.

Er bejahte die Frage. Haig Effendi ist von uns beauftragt worden, dies den Interessentinnen mitzuteilen.

Ich möchte gehorsamst befürworten, falls S.E. der Herr Botschafter auf der Pforte auf die armenische Frage zurückkommt, auch auf die vor das Kriegsgericht in Diarbekir gestellten Armenier aufmerksam zu machen.


[Notiz Neurath 14. 7.]

Ich bin nicht dafür. Wir können zur Zeit nicht mehr tun als bisher geschehen.


[Notiz Mordtmann 14. 7.]

Kenntnis genommen.


1Da der Brief nicht genau datiert ist, gilt als Dateiname das Datum der Aufzeichnung Mordtmanns zur Eingabe.



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